Ohne Bewährung - True Crime von hier

Ohne Bewährung - True Crime von hier

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00:00:00: Und was diesen Fall von so vielen anderen abhebt, das ist einfach die Tatsache.

00:00:04: Das war keine Tat, die aus dem Nichts gekommen ist und das war das Ergebnis von zwei Jahren Selbstzerstörung muss man sagen.

00:00:11: Und zwar von zwei Menschen, die sich ja früher irgendwann mal geliebt haben müssen.

00:00:26: Und ich

00:00:33: bin Alicia Theisen und in unserem Podcast sprechen wir über wahre Verbrechen hier aus der Umgebung, also meistens aus dem Ruhrgebiet.

00:00:40: Und die Gerichtsprozesse dahinter!

00:00:42: Deswegen ist auch heute wieder bei uns unser Gerichtsreporter Martin von Braunschweig.

00:00:46: Hi Martin

00:00:47: Hallo Alicia und hallo Nora.

00:00:50: Ja, so ein True Crime Podcast wie unserer ist ja logischerweise quasi in den Sammelbecken voll mit schlimmen Geschichten.

00:00:56: Also hochemotionalen Momente und natürlich auch von Schicksalsschlägen.

00:01:01: In unserem heutigen Fall ist ein solcher Schicksal schlag sehr wahrscheinlich der Auslöser für eine Tat die es ohne diesen Schicksaltsschlag wahrscheinlich nie gegeben hätte.

00:01:11: Wahrscheinlich kennen die meisten von euch so Phasen im Leben in denen man das Gefühl hat jetzt ist ein Moment da geht's Er fand nicht mehr so richtig weiter.

00:01:18: Ich weiß nicht, was ich machen

00:01:19: soll.".

00:01:20: Man ist irgendwie hilflos, ratlos und kommt einfach nicht vom Fleck!

00:01:24: Und wie wir dann in solchen Momenten reagieren, das unterscheidet uns völlig.

00:01:28: Die einen suchen halt bei ihrer Familie die anderen ziehen sich dann komplett zurück und die geraten dann oft in eine Abwärtsspirale aus der sie alleine einfach nicht mehr rauskommen.

00:01:38: eben noch zumindest halbwegs geregelte Alltag jetzt der totale Kontrollverlust – genau das ist die Konstellation in unserem heutigen Fall.

00:01:47: Vor allem für Beziehungen sind solche Schicksalsschläge richtige Herausforderungen.

00:01:52: Ein schwerer Verlust kann ein paar entweder total zusammenschweißen oder erreist Gräben auf, die so tief sind, dass man sie irgendwann nicht mehr zuschütten kann.

00:02:03: und wenn dann auch noch Suchtverhalten in den Spiel kommt wird es richtig gefährlich.

00:02:07: Dann können sich die Partner bzw.

00:02:09: Partnerinnen gegenseitig so hoch schaukeln das es zu Gewalt kommen kann.

00:02:14: Wenn ich an unseren heutigen Fall denke, dann sind das genau die Überlegungen, die mir dadurch den Kopf gehen.

00:02:20: Ich habe dem Prozess ja später am Dormunderschwurgericht verfolgt.

00:02:23: und was diesen Fall von so vielen anderen abhebt, dass ist einfach die Tatsache... Das war keine Tat, die aus dem nichts gekommen ist.

00:02:30: Nein!

00:02:30: Was da verhandelt wurde, das war das Ergebnis von zwei Jahren Selbstzerstörung, so muss man es sagen.

00:02:36: Und zwar von zwei Menschen, die sich ja früher irgendwann mal geliebt haben

00:02:40: müssen.".

00:02:41: Am Ende steht eine junge Frau vor Gericht.

00:02:44: Sie soll in unserem heutigen Fall Karoline heißen, nur ganz kurz.

00:02:48: Wir haben auch in dieser Folge alle Vornamen wieder

00:02:51: geändert.

00:02:52: Ja und man muss auch dazu sagen es gab noch eine weitere Ebene die immer auch irgendwie eine Rolle spielte Und das waren die Kinder von Karoline Die geborenen und auch die ungeborenen.

00:03:04: Dann gehen wir doch jetzt einfach mal rein In unseren fall und wir fahren nach Dortmund wickelte also ganz in den Osten der Stadt.

00:03:11: Dort ersticht Karoline am zwölften März, im Jahr ist ihre Lebensgefährten Andreas.

00:03:17: Mit einem einzigen, wuchtigen Messerstich ins Herz.

00:03:20: Die Richter werden diese Tat später als Totschlag.

00:03:23: Um zu verstehen wie sie zu dieser Einschätzung kommen und warum diese Tat so passieren konnte, wie sie passiert ist müssen wir allerdings jetzt noch mal weiter zurückgehen.

00:03:32: Wir müssen uns die Lebenswege anschauen, die hier aufeinander geprahlt sind.

00:03:37: Gucken wir als Erztes mal auf Caroline.

00:03:39: Bei der Tata ist sie thirty-four Jahre alt, wurde in Polen, genauer gesagt in Groß Strelitz geboren und kam mit drei Jahren nach Deutschland.

00:03:48: Die Familie wohnte nach einem kurzen Aufenthalt in der zentralen Aussiedlerstelle Unermassen in Dortmund-Wekette.

00:03:54: Ihr Vater hat als Schlosser gearbeitet und die Mutter war Verkäuferin und Haushaltshilfe.

00:03:59: Ja, also eigentlich so ein ganz normales klassisches Arbeitermilieu.

00:04:02: Carolina hat noch zwei Schwestern – sie macht ihren Realschulabschluss in Dortmund.

00:04:06: asseln muss dafür allerdings vorher einmal eine Klasse wiederholen.

00:04:10: die achte Klasse war das und nach der zehnten Klasse mit achtzehn Jahren da hatte sie dann zwar einen Abschlusszeugnis in der Tasche aber irgendwie hatte sie nicht so richtig ne Ahnung was sie damit jetzt anfangen soll.

00:04:22: Sie beginnt dann, als Aushilfe in der Küche eines Krankenhauses in Dortmund zu arbeiten.

00:04:26: Man kann sicher sagen sie führt ein echt unauffälliges fast schon monotones Leben.

00:04:31: bis dahin keine großen Ausreißer keine Konflikte schon gar keine Konfikte mit dem Gesetz aber ab dem Jahr zwei tausend sechs geraten die Dinge zum ersten Mal so ein bisschen durcheinander.

00:04:41: Caroline wird schwanger trennt sich aber noch während der Schwangerschaft von dem Vater ihres Sohnes und bleibt bei ihren Eltern wohnen.

00:04:49: Nach der Geburt ihres Sohnes Marcel arbeitet sie extrem viel, bis zu zweihundert Stunden im Monat als Servicekraft in einer Spielehalle.

00:04:57: Und ja, sie braucht halt einfach das Geld und die Betreuung von Marcel überlässt sie während dieser Zeit fast komplett ihrer

00:05:03: Mutter.".

00:05:04: Ja, und in dieser Situation da ist Carolines Belastungsgrenze zum ersten Mal in ihrem Leben erreicht – wenn nicht schon wirklich überschritten!

00:05:12: Zweihundert stunden im Monatt in einer Spielhalle.

00:05:14: also wir können uns alle vorstellen wie auslaugend das is'.

00:05:17: Aber sie macht das für ihr Kind und sie macht es wahrscheinlich auch, weil sie immer noch davon träumt irgendwann den Richtigen kennen zu lernen.

00:05:25: Und dann eine in Anführungszeichen richtige Familie zu gründen.

00:05:29: Und im Sommer, in den letzten Jahren lernt Caroline dann beim Camping im Münsterland einen neuen Mann kennen.

00:05:35: Dort haben ihre Eltern schon immer so ein Dauercampingplatz und dort lernt sie eben einen Mann kennen und sie wird auch sehr schnell wieder schwanger von diesem Mann.

00:05:44: Der zweite Sohn Robin kommt im Mai, als Frühgeburt zur Welt.

00:05:48: Das war für ihn kein leichter Start ins Leben ganz sicher nicht aber auch für das Paar natürlich eine richtig, richtig harte Zeit!

00:05:56: Der kleine Robin hat schwere gesundheitliche Probleme.

00:05:59: Die Atmung muss nachts permanent per Monitor überwacht werden, jedes Mal wenn das Gerät piepst er kriegt Karolina Angst und Panik.

00:06:07: der Vater des Kindes Klaus ist zwar oft abends am Wochenende da um zu helfen aber eine dauerhafte und stabile Partnerschaft die entsteht daraus nicht weil er auch nicht hier in Dortmund wohnt und der hatte auch nie vor richtig hinzuziehen

00:06:21: Spätestens im März, ist also noch kein Jahr alt.

00:06:25: Ist auch diese Beziehung dann zu Ende.

00:06:28: Robin lebt aber seitdem bei Klaus.

00:06:30: Caroline ist also wieder alleine, emotional und wahrscheinlich auch körperlich total erschöpft und extrem verletzlich kann man sagen – genau in dieser Phase kommt Andreas in ihr Leben!

00:06:42: Wobei man dazu sagen muss, die beiden kannten sich eigentlich schon seit Jahren.

00:06:46: Andreas war früher der Nachbar ihrer Eltern in Dortmund wickelte.

00:06:50: er war also kein Unbekannter sondern jemand der irgendwie für bessere Zeiten für unbeschwertere Zeiten stand und schon ein Monat nach der Trennung von Klaus werden die Beiden also ein paar.

00:07:01: Andreas arbeitet zu diesem Zeitpunkt noch in Bremen.

00:07:04: anders als Klaus gibt er aber schon im Juni zwei tausend siebzehn seinen Job in Breben komplett auf und zieht fest zur Karoline nach Dortmund.

00:07:12: Das ist jetzt so der Moment, in dem man auf einen ganz klassischen Neuanfang aufnimmt.

00:07:17: Ein neuer Partner und neues Glück.

00:07:19: aber Andreas gibt sein gesamtes Leben in Bremen auf.

00:07:22: das heißt er hat hier in Dortmund auch keinen Job und deswegen hängt da finanziell völlig in der Luft Und das bringt eine neue und richtig gefährliche Dynamik in die Beziehung Denn er bringt auch ein Suchtproblem mit

00:07:36: Ja und deswegen dauert es auch nicht lange und diese anfängliche Harmonie des anfänglichen Glück ist ziemlich schnell vorbei.

00:07:43: Andreas ist nämlich sowohl Alkohol als auch Kokain süchtig und irgendwann macht Caroline einfach mit, für sie ist das zwar neu also sie hatte vorher nur so gelegentlich mal ein bisschen was getrunken oder Mal gekifft.

00:07:57: aber an der Seite von Andreas da wird er Konsum dann stellenweise richtig exzessiv.

00:08:02: ja und diesen Cocktail den hatten wir schon in mehreren Folgen ohne Bewährung wenn beide betrunken und auch noch auf Koks waren gab es eigentlich.

00:08:12: Ich habe später im Prozess die Aussagen von Andreas Schwester Nicole gehört.

00:08:16: Die ist natürlich als Zeugen vernommen worden und sie hat aus nächster Nähe mitbekommen, wie schnell diese Beziehung dann absolut toxisch geworden ist.

00:08:24: Sie hat gesagt das waren keine normalen Ausraster bei denen man sich mal angeschrien hat aber dann eben auch schnell wieder versöhnt hat.

00:08:32: nein Da sind richtig die Fetzen geflogen, so mit Schreierei mitten in der Nacht.

00:08:36: Es gab Handgreiflichkeiten und häusliche Gewalt.

00:08:39: Mehrfach musste die Nachbarschaft die Polizei rufen – und einmal hat Karoline Andreas sogar mit einem Messer verletzt am

00:08:46: Finger.".

00:08:46: Aber anders als in diesem vorherigen Beziehung von Caroline schafft sie bei Andreas den Absprung nicht!

00:08:52: Was ihr vorher relativ leicht gefallen ist, das ist bei ihm einfach nicht möglich.

00:08:56: Die beiden müssen wirklich unglaublich voneinander abhängig gewesen sein….

00:09:01: Im Februar in den Eskalierten escaliert es so weit, dass Caroline ihre Wohnung verliert.

00:09:06: Andreas hat bei einem Streit die Wohnungstür eingetreten.

00:09:09: Die Nachbarn haben mal wieder, muss man sagen, die Polizei gerufen und der Famita hatte dann wirklich die Schnauze voll und schickte eine fristlose Kündigung.

00:09:17: Sie hatte also keine Wohnung mehr!

00:09:19: Ja das heißt für Caroline natürlich, dass sie mit ihrem inzwischen elf Jahre alten Sohn Marcel wieder zu ihren Eltern ziehen muss.

00:09:26: Und Andreas kommt bei seiner Schwester Nicole unter.

00:09:30: Eigentlich könnte man jetzt sagen, ja der optimale Moment um sich dann doch jetzt zu trennen.

00:09:35: Ja eigentlich wäre das der optimaler Moment gewesen aber die beiden trennen sich nicht!

00:09:41: Die verbringen weiterhin fast jede freie Sekunde zusammen.

00:09:45: sie hängen ständig in der Wohnung von Andreas Schwester Nicole rum wieder mit vodka wie damit Koks immer genau so viel wie das Geld es gerade her gibt.

00:09:53: beide sind inzwischen arbeitslos bei der leben von sozialleistungen und von dem geld der Eltern.

00:09:59: Ja, und im März twohntausend neunzehn.

00:10:01: da beschließen sie wir wollen es noch mal miteinander versuchen.

00:10:05: Sie finden eine neue Wohnung in Wikidde die Wohnung in der später zu dieser tödlichen Messeattack gekommen wird Und Karoline ist zu diesem Zeitpunkt wieder schwanger diesmal von Andreas.

00:10:17: ja und die Schwangerschaft die wirkt dem ersten moment tatsächlich als könnten die beiden diese Ja, eigentlich kaputte Beziehung dadurch wieder Kitten.

00:10:24: Das haben auch die Zeuginnen und Zeugen im Gericht erzählt.

00:10:27: Die beiden beruhigen sich.

00:10:28: der Alkohol- und Drogenkonsum geht drastisch zurück.

00:10:32: Eigentlich sollte man von einer Schwangerin ja bei dem Rückgang null ausgehen aber sowas wohl nicht.

00:10:37: Aber es ist auf jeden Fall erstmal wieder deutlich besser geworden.

00:10:41: Und auch Andreas bemüht sich, endlich mal so was wie Struktur in sein Leben reinzukriegen.

00:10:47: Nach drei Monaten fängt er einen neuen Job an als Lagerist in einer Zeitarbeitsfirma.

00:10:52: Er will wirklich ein guter Vater sein und ein geregeltes Leben aufbauen für sich, seine kleine Familie dann eben.

00:11:00: Alles hätte in diesem Moment wirklich gut werden können.

00:11:04: Ja aber wir haben ja leider muss man sagen ... Nicht umsonst von Schicksalsschlägen gesprochen.

00:11:10: am Anfang dieser Folge, weil fast zeitgleich treten schwere Komplikationen in der Schwangerschaft auf und Karoline muss ins Krankenhaus.

00:11:20: Am Zweiundzwanzigsten Juni wird sie genykologisch notoperiert.

00:11:25: Das kleine Mädchen wird entbunden ist aber aufgrund der extremen Frühgeburt nicht lebensfähig.

00:11:31: Das Mädchen stirbt nach einer Stunde in den Armen ihrer Eltern ... Wie gesagt, gerade noch die Hoffnung auf ein neues Leben und jetzt der totale Kontrollverlust.

00:11:41: Und für die beiden für Karolina und Andreas bricht wirklich eine Welt komplett zusammen!

00:11:46: Der Schmerz über diesen Verlust muss wirklich unerträglich gewesen sein.

00:11:50: aber anstatt sich in ihrer gemeinsamen Trauer dann gegenseitig zu stützen was man ja eigentlich erwarten sollte erinnern sich beide nun an ihre alten an ihre toxischen und gewalttätigen Rollen.

00:12:01: und diesmal ist es noch viel schlimmer als vor der Schwangerschaft.

00:12:05: Ja, der Alkohol-Konsum der explodiert Regelrecht.

00:12:08: Im Frühjahr zwanzundzwanzig da trinken die beiden zusammen täglich ungefähr zwei Flaschen Wodka.

00:12:15: Alle zwei bis drei Tage ziehen sie dann auch noch gemeinsam ein Gramm Koks, also fast schon logisch.

00:12:21: Andreas verliert seinen neuen Job als Lagerist wieder – auch weil Caroline ihn während der Arbeitszeit ununterbrochen mit Kontrollanrufen terrorisiert.

00:12:30: und ja Sie sagt halt, sie erträgt es nicht wenn er nicht in ihrer Nähe ist!

00:12:33: Und bei ihr kommen jetzt auch noch Eifersucht und ein grenzenloses Misstrauen dazu.

00:12:39: Ja, die Wohnung der beiden ist im Grunde ein Schlachtfeld.

00:12:42: Beide sind permanent im Kriegszustand und warten nur darauf den jeweils anderen anzugreifen – und auch wirklich schwer zu verletzen!

00:12:50: Und die Vorwürfe, die sie sich gegenseitig machen, die sind wirklich krass, gerade in dieser Phase der Trauer.

00:12:55: Andreas bewirft Karolina im Sucht zum Beispiel vor «Du bist schuld am Tod meiner Tochter».

00:13:00: Er wird auch handgreiflich und schlägt sie brutal….

00:13:03: Vor dem Prozess am Dormunderschwuggericht haben Rechtsmedizinern nicht nur die Leiche von Andreas optoziert, sondern sie haben auch Caroline gründlich untersucht und feststeht dass sie da am ganzen Körper Blutergüsse hatte.

00:13:16: Die von heftigen Schlägen stammten!

00:13:21: nach der Tat dokumentiert und die waren an den Armen am Gesäß wirklich überall, am ganzen Körper.

00:13:27: Und sie hat gesagt das waren eindeutige Spuren von massiver körperlicher Gewalt und die war gerade mal maximal ein paar Tage her!

00:13:36: Ja, wir haben ja schon gesagt dass die Beziehung alles andere als gesund ist sondern wirklich toxisch.

00:13:41: Caroline zum Beispiel versucht mit allen Mitteln Andreas von seiner Familie zu isolieren.

00:13:47: Kurz vor Andreas' dreidreißigsten Geburtstag im März, da blockiert sie heimlich alle Nummern seiner Familie auf seinem Handy und Er wundert sich natürlich, warum ihm niemand gratuliert und ist auch total verletzt und traurig.

00:14:03: Weil er halt denkt, ja die haben mich alle vergessen.

00:14:06: Und als dann dieser Schwindel aufliegt also als er merkt was passiert ist da eskaliert diese Situation wirklich komplett.

00:14:15: Ja das war wahrscheinlich so ein bisschen der Tropfen der das ganze dann zum überlaufen gebracht hat Endlose Spirale aus Gewalt und toxischen Kontroll anrufen.

00:14:24: Und eben diesen Blockieren der eigenen Familie.

00:14:28: Du hast es gerade gesagt, Alice, als er davon erfährt bricht wirklich dieses Jahr... Man kann es ja jetzt als ein Kartenhaus nennen von Beziehung, bricht alles in sich zusammen.

00:14:36: Das führt uns direkt zum Tattag!

00:14:39: Wir haben den zwölften März, es ist ein Donnerstag.

00:14:43: Schon am Vortag haben beide wieder Kokain genommen, die Nerven liegen wirklich blank.

00:14:48: Seit dem Vormittag trinken sie dann auch wieder Wodka – auch Carolines inzwischen dreizehnjähriger Sohn Marcel ist in der Wohnung!

00:14:55: Er muss diese extrem aggressive und aufgeizte Stimmung zwischen seiner Mutter und Andreas wirklich hautnah miterlebt haben und ihm wird auch nicht entgangen sein dass das hier jetzt wirklich jederzeit total explodieren kann.

00:15:09: Am Nachmittag eskaliert es dann.

00:15:11: Karolina hat zu diesem Zeitpunkt sage und schreibe, zwei Komma sechs sieben Prumille Alkohol im Blut.

00:15:17: Und sie hat gekoxt!

00:15:18: Sie befinden sich bei einem absoluten Rausch- und Ausnahmezustand.

00:15:22: Andreas ist ebenfalls betrunken.

00:15:24: der hat in Anfroschrechen nur zwei Prumile aber das ist ja wirklich nicht viel weniger.

00:15:28: auch er hat gekokst und jetzt trifft Karolina eine folgenschwere tödliche Entscheidung.

00:15:34: Sie geht in die Küche und holt ein Küchenmesser mit einer Klinge, die vierzehn Zentimeter lang ist.

00:15:39: Und damit geht sie dann ins Schlafzimmer weil sie weiß dahin hat sich Andreas gerade zurückgezogen.

00:15:44: Entweder liegt er oder sitzt er auf dem Bett, aber er steht noch gebügt davor.

00:15:49: Das konnte man jetzt hinterher nicht mehr genau feststellen.

00:15:53: Aber was man feststellen konnte ist dass sie das Messer genommen hat und es mit voller Wucht in den linken Brustkorb von Andreas gerammt hat.

00:16:00: Das Messer dringt zwischen der vierten und fünften Rippe waagerecht ein und jetzt kommt das medizinische Detail, das viele im Prozess besonders erschüttert hat denn der Stichkanal war

00:16:14: Wobei, die Klinge war ja vierzehn Zentimeter lang.

00:16:16: Aber wenn der Stichkanal achtzehn Komma fünf Zentimeter tief ist das muss ja dann wirklich extreme Wucht gewesen sein.

00:16:25: Genau das hat die Rechtsmedizinerin Katharina Jellinghaus vor Gericht ziemlich plastisch erklärt.

00:16:30: sie hat gesagt es geht nur durch enorme Kraft.

00:16:33: bei diesem Stoß wurde also das Weichewebe des Brustkorps so stark zusammengepresst dass das Messer tiefer eindringen konnte als die klinge eigentlich lang war.

00:16:43: Die Klinge hat den Herzbeutel durchstochen, die linke Herzkammer durchstochten und ist dann in den Lungenflügel eingedrungen.

00:16:49: Das war ein absolut gezielter Stich haben die Richter später gesagt – um das Messer danach wieder rauszuziehen!

00:16:56: Das war ebenfalls nur möglich wenn man erheblich Kraft aufgewendet hat.

00:17:02: Andreas schafft es noch sich nach dem Angriff aus dem Schlafzimmer durch den Flur zu schleppen hinterlässt logischerweise eine lange Blutspur.

00:17:11: Und an der Wohnzimmertür, da bricht er dann schließlich zusammen.

00:17:14: Er verblutet qualvoll und in diesem Moment kommt Marcel aus seinem Zimmer.

00:17:20: Er sieht das ganze Blut, sieht den sterbenden Partner seiner Mutter.

00:17:24: aber was macht dieser Junge?

00:17:26: Der bewahrt in diesem völligen Albtraum einfach die Nerven und wählt sofort den Notruf.

00:17:31: Richtig geistesgegenwärtig auf jeden Fall!

00:17:35: Marcel sagt an dem Polizisten am Telefon ganz direkt, meine Mutter hat gerade ihren Freund mit einem Messer verletzt.

00:17:42: Bitte schickt einen Rettungswagen und direkt danach ruft er seinen Opa, also Carolines Vater an der nur wenige Minuten entfernt wohnt.

00:17:50: Und als der dann in die Wohnung kommt da bietet sich ihm wirklich so ein Bild des Schreckens.

00:17:57: Andreas liegt bewusstlos In seinem Blut und Caroline sitzt ganz apathisch einfach nur daneben.

00:18:05: Und das Erste, was sie zu ihrem Vater sagt als er in die Wohnung kommt ist der hat mich wieder geschlagen.

00:18:11: Da ist kein Wort des Bedauerns gefallen keine Sorge um den Sterbenden Andreas nein nur es gab nur diesen direkten Versuch sich selbst zurechtfertigen ihm die Schuld für diese Eskalation zu geben.

00:18:22: und kurz darauf stürmt dann auch Die Polizei die Wohnung.

00:18:25: aber Sie können Für Andreas nichts mehr tun.

00:18:27: der stirbt noch vor Ort trotz aller Wiederbelebungsversuche Der Wiederbelebungsversuche der Rettungskräfte, die natürlich zusammen mit der Polizei kommen.

00:18:36: Caroline wird natürlich direkt festgenommen und schon auf dem Weg zur Wache im Streifenwagen will sie unbedingt aussagen.

00:18:43: Die Polizei, die will sie dann auch hier ordnungsgerecht über schweigerecht belehren.

00:18:47: aber sie redet wirklich einfach weiter.

00:18:49: Sie sagt sowas wie ich habe mich nur gewährt er hat mich immer geschlagen Er hat meinen Sohn bedroht und ich hab es nicht mehr ausgehalten.

00:18:56: Ich habe ein Brotmesser genommen und ihn verletzt.

00:18:58: Also schon wieder redet sie Wie gerade bei ihrem Vater ja auch schon von Notwehr.

00:19:04: Im Prozess sah ihre Versteidigungsstrategie dann aber nochmal etwas anders aus.

00:19:09: Ihr Verteidiger Ulrich Bambo hat dort eine schriftliche Einlassung vorgetragen, aussicht seiner Mandantin.

00:19:16: und die klangen sagen wir mal ziemlich abenteuerlich.

00:19:20: Denn Caroline behauptet jetzt plötzlich ich wollte mir an diesem Tag selbst das Leben nehmen!

00:19:25: Deswegen habe ich das Messer in der Hand gehabt.

00:19:27: Ich hatte seine ständigen Aggression, seine stständige Gewalt satt.

00:19:31: Ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten und sie will dann das Messers genommen haben um sich die Pulsadern aufzuschneiden.

00:19:37: Und in diesem Moment soll dann Andreas gekommen sein und sie von hinten rumgerissen haben um sie davon abzuhalten.

00:19:45: Ja und dabei ist er dann angeblich unglücklich in die Messerklinge gelaufen.

00:19:49: Okay also Sie sagt jetzt dass war alles ein ganz tragischer Unfall.

00:19:54: Ja, so in etwa.

00:19:55: Also er wollte ihr Leben retten und hat dabei seins verloren sagt sie.

00:20:00: Das hat jetzt wahrscheinlich aber niemand geglaubt oder?

00:20:03: Selbstverständlich nicht denn dafür muss man ja nur ein bisschen genauer hingucken um zu erkennen dass das wirklich totaler Unsinn ist.

00:20:10: Wenn das wirklich passiert wenn also wirklich mein Partner unglücklich In das von mir geführte Messer läuft während er gerade versucht meinen leben zu retten Dann sage ich das doch sofort, dann rufe ich doch laut um Hilfe und versuche die Blutung zu stoppen.

00:20:25: Und stattdessen sagt sie aber zu ihrem Vater als der kommt ... Der hat mich wieder geschlagen!

00:20:29: Und zum Polizisten sagt sie... Ich hab' mich nur

00:20:31: gewährt.".

00:20:32: Ja, damit ist die Geschichte vor Gerichte eigentlich doch direkt vom Tisch gewesen oder?

00:20:36: Allein schon damit war sie vom Tisch, aber das war ja noch nicht mal alles.

00:20:41: Es gab auch noch das Gutachten der Rechtsmedizinerinnen und die hat eindeutig gesagt ein Stich von achtzehn Komma fünf Zentimetern Tiefe mit einer Klinge von vierzehnt Zentimetren.

00:20:50: Der entsteht nicht durch versehentliches Stolpern oder einfaches Rumreißen oder so.

00:20:55: dafür ist der Widerstand der Rippen und des Gewebes viel zu groß.

00:20:59: Und außerdem kommt noch dazu, dass die Wunde auf einer Höhe von ungefähr ein Meter dreißig war.

00:21:05: Caroline ist aber nur eins achtundfünfzig groß!

00:21:08: Wenn sie sich – ja wie Sie gesagt hat – die Pulsadern am Hals hätte aufschneiden wollen, hätte sie das Messer in einer völlig unnatürlichen Position halten müssen damit Andreas da hineinlaufen kann.

00:21:19: also das machte anatomisch auch überhaupt keinen Sinn.

00:21:22: Es war also sicher Absicht und kein Unfall, sie hat das Messer geholt und zugestochen.

00:21:27: Und ja die Notwehr-Version hat am Ende keiner geglaubt.

00:21:30: Sie hat aber im Ende auch gar nicht mehr davon geredet richtig Martin?

00:21:33: Vor Gericht hat sich diese Notwärtssituationen nicht mehr geschildert sondern nur noch diese Unfallsituation.

00:21:39: Aber wie gesagt, die hat ihr keiner geglaubt.

00:21:42: Aber was ich mich gerade frage, warum wurde sie dann am Ende nur wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt und nicht wegen Mordes?

00:21:49: Weil man hätte ja schon sagen können hey das war Heimtücke.

00:21:53: Das hätte man sagen können weil... Ich habe es eben schon gesagt er hat entweder auf dem Bett gelegen oder gesessen oder aber gebückt.

00:21:59: davor gestanden kann man darauf schließen, dass eben diese Eintrittswunde so hoch war.

00:22:07: Dass Caroline wenn er ganz normal gestanden hätte das Messer wirklich hoch erhoben gehabt haben müsste.

00:22:13: und wenn jemand auf dem Bett liegt oder sitzt oder auch nur gebückt davor steht dann kann man natürlich über Heimtücke nachdenken Und das haben Richter- und Staatsanwaltschaft mit Sicherheit gemacht.

00:22:24: Wir wissen ja heimtücke setzt voraus, dass das Opfer arg und wehrlos ist Und in diesem Fall die Täterin muss diese Arg- und Wehrlosigkeit auch bewusst und gezielt ausnutzen.

00:22:35: Aber die Richter haben am Ende gesagt, wir können hier nicht sicher sein, dass es so war.

00:22:39: Vor dem Stich haben sie sich stundenlang extrem heftig und extrem aggressiv gestritten.

00:22:45: Andreas kann also eigentlich nicht arg los geworden gewesen sein!

00:22:49: Der wusste, in welcher explosiven Stimmung Karoline war.

00:22:53: Auch wenn er im Schlafzimmer vielleicht nicht im selben Moment mit einem Messerangriff gerechnet hat – diese aggressive Gesamtsituation schließt Heimtücke in den Augenerichter hier

00:23:05: aus!

00:23:07: Ja,

00:23:16: aber auch die muss man natürlich sicher feststellen.

00:23:18: Man muss sicher sein was das Motiv für diese Tat war und da darf man eben nicht vergessen dass Andreas sie in den Tagen zuvor nachweislich brutal geschlagen hatte.

00:23:29: Wir denken an die vielen Hämatoma im Körper.

00:23:33: Aber der entscheidende Faktor Für dieses wirklich sehr milde Urteil von nur sechs Jahren wegen Totschlags Das war eigentlich ein anderer.

00:23:40: das war ihre erheblich verminderte Schuldfähigkeit

00:23:44: Klar, wegen des wirklich ja extremen Alkohol- und Drogenkonsums.

00:23:48: Also sie hatte ja immerhin zwei Komma sechs Sieben pro Mille und dann auch noch Koks im Blut.

00:23:52: also das war wahrscheinlich der Grund oder?

00:23:55: Ja richtig, das war der Grund.

00:23:56: Der psychiatrische Gutachter Bernd Roggenwalner hat es im Prozess wirklich sehr detailliert aufgeschlüsselt wie er das eigentlich immer macht.

00:24:03: Karoline hatte seit Jahren eine wirklich stabile Alkohol- und Kokainabhängigkeit Und zur Tatzeit war sie sozusagen in einem Doppel raus.

00:24:11: Sie hatte beides im Blut und dadurch konnte sie ihr Verhalten einfach nicht mehr kontrollieren oder in die richtigen Bahnen lenken.

00:24:18: Das heißt dann eben verminderte Schuldfähigkeit.

00:24:21: Aber eine Schuldunfähigkeit, also dass sie gar nicht mehr wusste was sie tut.

00:24:25: das wurde aber ausgeschlossen.

00:24:27: Ja, die hat der Psychiater ausgeschlossen.

00:24:29: Der hat gesagt diese Konfliktsituation war für die beiden zwar wirklich heftig und wirklich extrem an diesem Tag aber eben auch nicht völlig ungewöhnlich.

00:24:39: das gab es vorher zumindest ansatzweise schon häufiger.

00:24:43: Sie hatten solche heftigen Auseinandersetzungen über Jahre hinweg ja fast schon kultiviert.

00:24:48: sie wusste also was sie tat Aber sie konnte sich aufgrund des Rausches und dieser ja aufgestauten Aggression einfach nicht mehr beherrschen.

00:24:56: Was mich bei diesem Fall neben der eigentlichen Tat natürlich ziemlich nachdenklich macht, ist das Schicksal der Kinder.

00:25:04: Vor allem das von Marcel.

00:25:06: Man muss mal überlegen ... Der Junge war dreizehn Jahre alt.

00:25:09: Er musste in dieser Wohnung leben, wo es ja wirklich ständig Terror gab.

00:25:14: Den musste er dann ertragen und am Ende sieht er den sterbenden Andreas da im Flur liegen Toxischen Konstellation.

00:25:25: Also das muss wirklich ein unfassbares Trauma sein, dass ihnen wahrscheinlich ja auch sein ganzes Leben dann begleiten wird.

00:25:33: Ja du hast schon recht und es gibt ja auch noch Robin der ja wohl glücklicherweise früh genug aus diesen Umständen wieder rausgekommen ist und heute hoffentlich ein friedliches Leben führt.

00:25:43: aber auch seine Mutter sitzt im Gefängnis.

00:25:46: Und es gibt auch noch ein weiteres Detail über das wir, wenn wir diesen Fall wirklich komplett beleuchten wollen sprechen müssen.

00:25:53: und dieses Detail ist auch wirklich krass.

00:25:55: Denn als Karoline in Untersuchungshaft kommt und im Gefängnis in Gelsenkirchen von einem Arzt untersucht wird sagt er herzlichen Glückwunsch.

00:26:02: sie sind schwanger und der Vater dieses Kindes ist kein anderer als natürlich der getötete Andreas.

00:26:08: Sie muss also kurz vor der Tat von ihm wieder schwanger geworden sein.

00:26:12: Ja, also sie hat den Vater ihres noch ungeborenen Kindes erstochen.

00:26:18: So tragisch ist das.

00:26:20: Im Oktober, im Gefängniskrankenhaus bringt sie einen gesunden Sohn zur Welt und jetzt schließt sich dann der traurige Kreis dieser kleine Junge, der lebte in den folgenden Jahren bei Carolines Eltern also genau den Großeltern, bei denen Caroline damals schon mit ihrem ersten Sohn Marcel gewohnt hat.

00:26:38: Die Großelter, die natürlich auch nicht mehr die Jüngsten waren, die mussten wieder ein Baby großziehen diesmal aber während die Mutter als ihre Tochter im Gefägnis saß.

00:26:48: Das ist wirklich ganz, ganz schlimm.

00:26:50: Weil gerade auch diese erste Zeit, das Kind hat ja gar keine Bindung zu seiner Mutter und es kann nichts dafür.

00:26:56: Es hat nichts damit zu tun.

00:26:59: Ja, es ist wirklich kaum zu glauben.

00:27:01: Wir sollten aber in diesem Fall noch einen letzten Aspekt ansprechen nämlich die sogenannten Adhäsionsanträge, die in diesen Strafprozess gleich mitverhandelt worden sind.

00:27:11: Das hatten wir schon mal den früheren Folgen.

00:27:13: da geht es um das Schmerzensgeld?

00:27:16: Ja genau!

00:27:17: Adhäsionsantrag, jetzt erstmal so sperrig klingt.

00:27:20: Sollten wir da nochmal genauer draufgucken?

00:27:22: Weil normalerweise läuft das in Deutschland so Wenn ein Verbrechen geschieht dann verhandelt das Strafgericht nur über die Schuld des Täters oder der Täterin und über die Strafe also Gefängnis, Bewährung, Geldstrafe oder eben Freispruch.

00:27:35: Wenn aber die Betroffenen oder die Hinterbliebenen Schmerzensgeld- oder Schadensersatz wollen, dann müssen sie das eigentlich danach in einem völlig separaten oft wirklich jahrelangen und teuren Prozess vor einem Zivilgericht einklagen.

00:27:49: Das ist für die ohne hintraumatisierten Familien auch wirklich eine enorme zusätzliche

00:27:54: Belastung.".

00:27:55: Ja und deshalb gibt es das Adhäsionsverfahren.

00:27:58: Das Wort adhäsion, kleine Lateinstunde kommt aus dem lateinischen vom Wort ad herrere was so viel wie anhaften bedeutet.

00:28:07: also man hängt in zivilrechtlichen Anspruch direkt an den Strafprozess an und das Dortmunderschwurgericht hat hier direkt im Urteil entschieden dass Karoline Schmerzensgeld zahlen muss, und zwar an Andreas Eltern.

00:28:20: Und auch an seine beiden Geschwister Nicole und Dirk.

00:28:23: Und jeder von denen hat einen Anspruch auf fünf tausend Euro hinterbliebenen Geld zugesprochen bekommen.

00:28:29: Das ist juristisch natürlich sicherlich sinnvoll aber in Wirklichkeit steht die Summe wahrscheinlich nur auf dem Papier und wird wahrscheinlich eh nicht gezahlt oder?

00:28:38: Da würde ich darauf wetten, dass das niemals bezahlt wird.

00:28:41: Ein solcher Titel ist zwar dreißig Jahre lang vollstreckbar theoretisch aber bei einer verurteilten Straftäterin ohne Ausbildung und mit einer langen Haftstrafe hinter sich ist es sehr unwahrscheinlich, dass da irgendwann auch nur ein Cent fließen wird.

00:28:57: Das kann nun symbolischer Akt sein, so ein kleines bisschen Genugtogen vielleicht.

00:29:02: Ja, weil man muss sagen dieser Bruder Dirk.

00:29:05: Das war tatsächlich der Zwillingsbruder von Andreas und das war im Prozess wohl nochmal ganz schön emotional oder Martin?

00:29:13: Ja, weil für diese Artesionsanträge – die haben ja Schmerzensgeld eingeklagt sozusagen – da mussten wir natürlich den Richtern deutlich machen, dass sie wirklich eine enge Beziehung zudem getöteten hatten.

00:29:25: Und deswegen sind die alle als Zeugen und Zeuginnen vernommen worden.

00:29:28: Ja, und Dirk und Andreas das waren wirklich eineiige Zwillinge.

00:29:32: Sie haben zuletzt nur zwei Kilometer voneinander entfernt gewohnt, hatten nahezu täglichen Kontakt, spielten im selben Datverein.

00:29:40: Derg das gesagt hat ein absolut blindes Vertrauen zueinander.

00:29:44: Derg hat ausgesagt, mit Andreas ist auch ein Teil von mir selbst gestorben und natürlich hat die Schwester Nicole in deren Wohnung die beiden ja früher so oft getrunken hatten und Drogen genommen haben.

00:29:55: Die hatte ihren Bruder bis zum Schluss unterstützt und hatte selbstverständlich eine enge Beziehung zu Andreas.

00:30:01: Es bleibt ein erschütternder Fall.

00:30:05: Es bleiben wirklich nur Verlierer zurück.

00:30:07: Ein toter junger Mann, eine verurteilte Mutter im Gefängnis, traumatisierte Kinder die ohne ihre Eltern aufwachsen müssen und eine Familie mit einem unersetzlichen Verlust leben

00:30:17: muss.".

00:30:18: Ja, im Grunde ist es so wie du Martin schon vorher gesagt hattest.

00:30:22: das Bezeichnende an diesem Fall ist dass sich die Gewalt und dieses toxische Miteinander gegeneinander so aufgespielt hat.

00:30:32: Also das hat sich immer weiter hoch geschaukelt, hochgeschaukelt und es dann

00:30:35: explodiert.".

00:30:37: Das Tragische ist sie waren ja eigentlich wieder auf einem guten Weg also Sie hatten ja schon diese toxischen Züge und dann hatten sie's durch die Schwangerschaft ja eigentlich auch wieder in Griff.

00:30:47: Also sie waren zumindest auf dem Weg der Besserung.

00:30:50: wir wissen nicht was gewesen wäre aber zumindest sah es gut aus.

00:30:54: und da schließt sich der Kreis dann zum Anfang und dann kommt halt dieser Schicksalsschlag ruiniert das kleine Pflänzchen Hoffnung und gutes Leben, was da hätte sich entwickeln können.

00:31:06: Und am Ende stehen viele, wir sind ja mehrere Familien komplett vor dem Abgrund.

00:31:12: Wobei ich auch da denke... Da bin ich in Gedanken einfach bei diesem dreizehnjährigen Kind, bei Marcel weil ich mir so denke der ist ja auch noch da Dann tut die Mama und deren Partner tun dann so, jetzt ist hier ein neues Baby unterwegs.

00:31:28: Was ja auch schön ist wenn sie ne Neuanfang drin sehen.

00:31:31: aber der war die ganze Zeit auch da Und das hat die auch nicht davon abgehalten die ganze zeit zu streiten und Terror zu machen.

00:31:38: Wir reden ja hier nicht von die Streitensicht sondern wir reden wirklich von massiver häuslicher Gewalt.

00:31:43: Wir reden von diesen absolut schrecklichen Manipulationen auf beiden seiten.

00:31:48: also Das hat die auch nicht abgehalten, dass da ein Kind die ganze Zeit mit in der Wohnung war.

00:31:53: Und ich meine, er ist dreizehn und hat das alles mitbekommen?

00:31:56: Ja, das erklärt finde ich auch die Reaktion, die er dann bei der Tat gezeigt hat.

00:32:02: Das war kein Kind, das davon schockiert war, sondern der hat schon ganz oft gesehen wie sie sich gegenseitig wehgetan haben, wie die Streitigkeiten eskaliert sind, wie's dazu massiver Gewalt kam.

00:32:12: Das wird für den so traurig das is'.

00:32:15: Alltag gewesen sein und deswegen verhält sich dann dreizehnjährige auch so abgebrüht, wenn er dann sieht wie jemand erstochen wird.

00:32:23: Ja also der Junge hat natürlich im Prozess nicht ausgesagt.

00:32:27: das musste er ja nicht weil er ja der Sohn der angeklagten ist.

00:32:31: aber Man kann sich ja fragen, wie oft er schon vorher seinen Opa angerufen hat und gesagt hat komm mal schnell rüber.

00:32:36: Die hauen sich wieder gegenseitig die Köppe ein du musst man hier wieder einschreiten.

00:32:41: wahrscheinlich hat er zum ersten Mal in seinem Leben die Polizei gerufen.

00:32:43: das haben bislang immer die Nachbarn gemacht aber sein Opa wird da schon das eine oder andere mal angerufen haben Wie du ihm gesagt hast oder wie ihr eben gesagt habt?

00:32:51: Das war für den normal leider.

00:32:54: Wir können nur hoffen dass es für ihn ein neues Normal gibt das nicht mehr aus Gewalt besteht wie großeltern in guten Händen ist, die sich ja zumindest immer um diese Kinder gekümmert haben.

00:33:04: Egal was war wir hoffen einfach dass sie da eine zwei andere aber eine neue Familie gefunden haben auch wenn das Leben wahrscheinlich nie wieder gleicher sein wird.

00:33:12: Danke Martin, dass du uns den Fall mitgebracht hast.

00:33:15: gerne

00:33:16: und wir hören es beim nächsten mal wieder.

00:33:17: bis dahin

00:33:19: tschau.