00:00:00: Daniel hat nämlich eine Liste angelegt, die er mit den Worten Weg des Chaos überschrieben hat.
00:00:05: Das stand da oben drüber und die Punkte lauteten so... Und ich bin Nora Wager und wir sprechen in unserem Podcast über Kriminalfälle hier aus der Umgebung, also meistens dem Ruhrgebiet.
00:00:43: Und vor allem die Gerichtsprozesse dahinter!
00:00:45: Deswegen ist heute wieder bei uns unser Gerichtsreporter Jörn Hartwig.
00:00:48: Hi Jörnn!
00:00:53: Ja, der Fall über den wir heute sprechen das ist wirklich einer der fürchterlichsten Mordfälle über die ich in den letzten Jahren berichtet habe.
00:01:01: Aber bevor wir anfangen möchte ich euch erstmal was richtig Nettes erzählen.
00:01:05: Ich hab letztens mal einen Vortrag gehalten über meine Arbeit als Gerichtsreporter.
00:01:10: Da ging es natürlich auch um unseren Podcast.
00:01:13: Das waren Studierende und andere junge Leute Die mit dem Studium schon fertig waren.
00:01:18: Einige kannten unserem podcast Und wisst ihr, was ich nachher gekriegt habe als Geschenk?
00:01:24: Das waren wirklich zwei Bücher von den drei Fragezeichen.
00:01:28: Das fand ich richtig nett und die fanden das richtig witzig!
00:01:32: Ich bin ja großer drei Frage-Zeichen Fan.
00:01:35: deswegen müssen wir jetzt direkt wissen welche.
00:01:37: und hast du sie schon gelesen?
00:01:38: und was ist dein Review?
00:01:41: Ja, bei mir ist das ein bisschen schwierig.
00:01:42: Es war tatsächlich das erste Dreifragezeichenbuch, dass ich jemals gelesen habe Aber eins hab' ich gelesen die Spur der Toten.
00:01:50: Da ging's um eine Psychotherapeutin Clarissa Franklin.
00:01:53: Ich weiß nicht ob euch das was sagt Ihr wahrscheinlich Nora?
00:01:57: Die hat heimlich die Identität ihrer todkranken Schwester angenommen.
00:02:02: Warum?
00:02:02: natürlich weil sie auf ihr Geld ausfahre.
00:02:05: Ich kenne diesen Fall und das ist einer der Fälle, den ich am wenigsten mag.
00:02:09: Weil ich den so gruselig finde.
00:02:11: Drei Fragezeichen sind eigentlich immer eher so cozy gemütlich ... Und der war mir zu viel!
00:02:16: Ich hab mich mit so viel gerechnet... Ich find's aber witzig.
00:02:21: Du hältst ja öfter mal Vorträge über deine Arbeit als Gerichtsreporter und hast die dann um die Ecke kommen und sagen So, hier als Dankeschön kriegst du ein bisschen drei Fragezeiten.
00:02:30: Noch mehr Verbrechen?
00:02:31: Ich fand es auch richtig nett.
00:02:33: Ja, das ist tatsächlich so.
00:02:34: Manchmal gebe ich auch richtige Seminare für Journalistinnen und Journalisten die noch in der Ausbildung sind.
00:02:39: Das mache ich auch gerne.
00:02:41: Wir besuchen dann allerdings meistens tatsächlich ein oder zwei Prozesse über die dann auch nachher geschrieben wird Und manchmal ganz ganz selten habe ich auch Praktikanten hin und Praktikanen Wobei ich mir vorstellen kann, gerade wenn die noch ein bisschen jünger sind ist das wahrscheinlich nicht immer ganz so leicht zu ertragen vor Gericht.
00:03:00: Also gerade wenn ich jetzt mal anfälle denke wie den über den wir heute sprechen wollen Ja, auf jeden Fall.
00:03:06: Ich hatte letzte Woche tatsächlich noch mal einen Schülerpraktikanten und ich habe die ganze Zeit auf dem Weg dahin... ...ich wusste, ich muss ein Missbruchsprozess machen und ich hab' die ganze zeit gehofft, hoffentlich ist die Anklage nicht so detailliert.
00:03:19: Der war siebzehn zwar schon okay, ich hab das vorher mit ihm abgesprochen und auch mit den Eltern.
00:03:24: Das mache ich dann immer aber natürlich nämlich die dann nicht gerne mit zu so schlimmen Fällen Aber gehört halt eben auch dazu, ist wichtig das wir drüber reden.
00:03:36: Deswegen machen wir es ja hier im Podcast.
00:03:38: Genau!
00:03:39: Dann lass uns mal einsteigen.
00:03:40: der Fall um den es heute geht da hattest du hoffentlich keine Praktikanten oder einen Praktikanter dabei?
00:03:46: Nein zum... Ja muss ich wirklich so sagen zum Glück nicht.
00:03:50: Das ist ein fall der damals für absolutes Entsetzen gesorgt hat.
00:03:54: Es ist noch gar nicht so lange her Daniel, der in der Nacht auf den neunundzwanzigsten Juni, zweitausendfünfundzwantzig seine schlafende Mutter erschlagen hat.
00:04:04: Und zwar mit einer Axt!
00:04:07: Anschließend hatte er noch dreimal mit einem Dolch auf sie eingestochen und zwar direkt ins Herz und in die Lunge.
00:04:13: Daniel ist natürlich nicht sein richtiger Name, wir haben auch in dieser Folge wieder alle Namen geändert.
00:04:19: Daniel war zur Tatzeit nämlich gerade erst achtzehn Jahre alt und deshalb wollen wie ihn auf keinen Fall identifizierbar machen.
00:04:26: Es geht uns aber eben darum den Fall zu erzählen weil es eben schon sehr ungewöhnlich ist dass ein achtzendjähriger seine Mutter ermordet und dann noch so extrem grausam.
00:04:38: Daniels Mutter, die wollen wir in dieser Folge Ramona nennen.
00:04:42: Daniel und Ramona haben damals in einer kleinen Wohnung gewohnt, den Gelsenkirchen.
00:04:47: ein Vater gab es nicht also den gab's natürlich schon aber der spielte im Leben der beiden überhaupt keine Rolle.
00:04:55: Was allerdings von Anfang an auffällig war Daniel war für Ramona nicht nur ihr Sohn er war eher sowas wie Ihr Besitz.
00:05:04: Also das hat sie auch sofort klar gemacht.
00:05:06: eine Nachbarin Der hat sie zum Beispiel mal gesagt.
00:05:09: Der Daniel, der gehört mir und da war noch gar nicht geboren dabei sind noch schwanger.
00:05:14: Ja was Sie damit gemeint hat das ist dann spätestens klar geworden als Daniel in den Kindergarten gekommen ist.
00:05:20: Da is er nämlich von anderen Kindern natürlich wie das eben so iß zu Kindergeburtstag eingeladen worden aber Ramona hat ihn nie dahingehen lassen.
00:05:29: Daniel durfte wirklich zu keiner einzigen Feier gehen Und sie selbst hat auch nur ein einziges Mal einen Kindergeburtstag für Daniel ausgerichtet, als er drei Jahre alt geworden ist.
00:05:41: Das war auf dem Hinterhof in ihrer Wohnung und hat sie nämlich schon damals niemanden reingelassen.
00:05:48: Es hatte natürlich einen ganz bestimmten Grund aber da sprechen wir dann später noch mal drüber.
00:05:52: Ja, Daniel ist auch ewig lange im Kinderwagen herumgefahren worden sogar als er fünf Jahre alt war... Sie können schon links laufen und sind selbstständig, aber Ramona hat ihn einfach weiter durch die Gegend geschoben.
00:06:03: Weil sie ihm auch nichts zugetraut hat und vielleicht auch weil sie nicht so richtig loslassen
00:06:08: konnte.".
00:06:09: Als Daniel dann in die Grundschule gekommen ist, da musste sich Ramona auch ordentlich was dafür anhören.
00:06:14: Weil es schon wirklich auffällig war dass Daniel Schwierigkeiten hatte wenn's zum Beispiel darum gegen sich zu konzentrieren oder mit anderen Schülerinnen und Schülern gemeinsam etwas zu machen.
00:06:24: Er hat einfach die ganze Zeit gestört.
00:06:26: er war unruhig.
00:06:27: eine Lehrerin hat das später als antisoziales Verhalten beschrieben weil er ja vorher nie wirklich mit anderen Kindern zusammen war Und auch gar keine Freundin oder Freunde hatte aber Ramona überhaupt nicht hingehört, wenn sie kritisiert wurde.
00:06:41: Sie hat einfach gesagt ja die Lehrerin und Lehrer diesen Schuld dass mein Sohn Probleme hat und damit war für sie die Sache dann auch
00:06:47: erledigt.".
00:06:48: Das war natürlich schwierig für Daniel das war überhaupt keine Hilfe.
00:06:55: Eigentlich das passiert ist, was man sich vielleicht schon vorstellen kann.
00:06:58: Nach der ersten Klasse musste Daniel nämlich dann die Grundschule verlassen also die Regelgrundschule und ist auf eine Förderschule gekommen und zwar mit dem Förderschwertpunkt emotionale und soziale Entwicklung.
00:07:11: Ja, da ist es aber auch nicht wirklich besser geworden.
00:07:13: Die Lehrerinnen und Lehrer haben zwar immer wieder versucht mit Daniels Mutter Kontakt aufzunehmen.
00:07:18: Sie wollten zum Beispiel das Daniel mal auf ADHS getestet wird Das hatte man auch schon früher einmal bei ihm festgestellt Und sie wollten eigentlich zb auch dass er mit auf Klassenfahrt geht.
00:07:28: Aber Ramon hat alles abgelehnt!
00:07:31: Sie hat sich aber auch ja dann sonst nicht mehr um Daniel gekümmert.
00:07:34: also irgendwie sehr widersprüchlich.
00:07:36: ihre ganze Fürsorge die sie am Anfang gezeigt hat die war wirklich Komplett weg.
00:07:42: Dazu passt auf, was seine Nachbarin später vor Gericht erzählt hat über so alltägliche Kleinigkeiten.
00:07:48: Sie hat gesagt der Daniel, der hat keine liebevoll gemachte Butterdose gekannt und er hat auch nicht gekannt dass man an sie Sachen kauft weil seine Mutter das einfach nicht für ihn gemacht hat wo seine Kleidung hergekommen ist.
00:08:01: Das hat sie dann allerdings auch nicht gesagt, also muss man das Ganze vielleicht ein bisschen mit Vorsicht genießen.
00:08:06: aber die Nachbarin hat gesagt ich habe das schon gemacht Ich hab inzwischen durch mal was gekauft.
00:08:12: und Dann hat sie noch einen Satz gesagt der mir noch gut in Erinnerung geblieben ist und den ich damals natürlich auch aufgeschrieben habe Und er hieß so Sie hat gesagt So eine Mutter.
00:08:24: die hätte ich auf jeden Fall Nicht haben wollen.
00:08:28: Was allerdings noch auffällig war ist, dass Daniel mit der Zeit immer dicker geworden ist.
00:08:33: Das war auch so eine Sache, mit der er nicht zufrieden war – weil es auch irgendwann so schlimm war, dass er selbst beim Sport oder bei Ausflügen nicht mehr mitgekommen
00:08:42: ist.".
00:08:54: eine seiner Lehrerin dann auch nochmal Kontakt zu seiner Mutter aufgenommen und hat ihr das gesagt, kann man da nicht irgendwas machen?
00:09:02: Können wir da gemeinsam was machen, dass er ein bisschen Gewicht verliert.
00:09:06: Sie müssen ihn da unterstützen.
00:09:08: aber auch da hat Ramona wieder ganz typisch geantwortet.
00:09:11: sie hat gesagt mischen sich da nicht ein.
00:09:14: Das ist dann natürlich besonders schlimm für einen Jungen, der ohnehin schon Schwierigkeiten hat.
00:09:18: Das hilft dann natürlich überhaupt nicht.
00:09:20: dieses Verhalten seiner Mutter und mehr Selbstvertrauen hat er da natürlich sowieso nicht durchbekommen.
00:09:26: Daniel hat sich immer weiter zurückgezogen und so zu einem richtigen Einzelgänger geworden.
00:09:30: Er wollte sich nicht an Gruppenarbeiten beteiligen.
00:09:33: Er hatte auch nichts für andere gemacht.
00:09:35: Ja es gab eine ganz schlimme Phase.
00:09:37: Da hat er wirklich nur ständig rumgeschrien Andere beleidigt Und einmal ist dann auch dadurch ne rassistische.
00:09:45: Mit elf ist er dann auch das erste Mal von zu Hause weggelaufen.
00:09:49: Daniel wollte sich wohl damals das Leben nehmen, zumindest hatte er wohl solche Gedanken im Kopf.
00:09:55: Man hat ihn aber zum Glück ziemlich schnell gefunden und zurück zu seiner Mutter
00:09:59: gebracht.".
00:10:11: Das hat sie eben nicht gemacht, obwohl Daniel fix und fertig war.
00:10:14: Ramona hat ihn sofort angeschrien, dass er nichts tauchte, das ein Versager ist... ...das wissen wir weil auch das Ramonas Nachbarin damals vor Gericht erzählt hat.
00:10:26: Weil sie sich nämlich richtig Sorgen um Daniel gemacht hat!
00:10:29: Aber es gibt einen kleinen Lichtblick, denn die Lehrerinnen und Lehrer an der Förderschule – das muss man ihnen wirklich hoch anrechnen.
00:10:36: Sie haben es im Laufe der Zeit tatsächlich geschafft, das Eis so ein bisschen zu brechen!
00:10:41: Und Daniel ist dann auch zur Ruhe gekommen.
00:10:44: Der Trick war damals die Musik.
00:10:47: Das hat Daniel nämlich wirklich interessiert.
00:10:50: Er hat damals angefangen Keyboard zu spielen.
00:10:52: Er hatte auch Musik am Computer gemacht, den er online gestellt hat Und der Mann einer der Lehrerin hat ihm sogar Gitarre spielen beigebracht und das hat ihn dann wohl auch wieder richtig gut getan.
00:11:04: Ja, und was er auch richtig gut konnte, er konnte sich gut um jüngere Kinder kümmern obwohl er ja sonst eigentlich nicht gerade durch besondere Empathie aufgefallen ist.
00:11:13: aber bei jüngeren Schülerinnen und Schülern da war das anders.
00:11:16: Er hat sich sogar um die Kinder seiner Lehrerinnen und Lehrer gekümmert wenn die mal niemanden zum Aufpassen hatten Und sie deshalb mit in die Schule bringen mussten, was ja schon zeigt das Sie Daniel vertraut haben und vor allem dass sie keine Angst vor ihm gehabt haben.
00:11:31: Deshalb haben die Lehrerin und Lehrer auch immer gedacht, dass Daniel später mal im Beruf so etwas in Richtung Sozialarbeiter oder sowas Ähnliches macht.
00:11:40: Je älter Daniel wurde, desto mehr hat er dann angefangen sich so ein bisschen äußerlich zu verändern.
00:11:45: So ein bisschen rebellischer.
00:11:46: Er hat sich die Haare wachsen lassen und fast nur noch schwarze Klamotten getragen, Springerstiefel.
00:11:52: Er z.B.
00:11:52: auch angefangen nahe gelackt zu tragen aber an dieser freundlichen Art gegenüber jüngeren Schülerinnen und Schülern da hat sich nichts dran geändert.
00:12:00: Dass er sich aber äußerlich so verändert hat, dieses etwas rebellische Aussehen.
00:12:04: Dafür hat er zu Hause wieder richtig Ärger bekommen.
00:12:06: Seiner Mutter war zwar eigentlich alles egal, aber das dann eben nicht!
00:12:11: Er selbst hat dazu später gesagt – meine Mutter hat mir immer gesagt du siehst viel zu weiblich aus.
00:12:18: So willst du ja wohl nicht ernsthaft rausgehen und das hat ihn natürlich total belastet.
00:12:22: Aber nicht so dass er sich davon hat abhalten lassen.
00:12:25: Er ist eben so rausgegangen wie er wollte Und das hat er eigentlich bis zuletzt gemacht, auch im Gericht.
00:12:32: Also in seinem eigenen Prozess hatte er noch seine alten Klamotten gehabt den langen Mantel und so weiter und der hat auch noch Nagelack getragen.
00:12:40: Ja, in seiner Schule war das zum Glück überhaupt kein Problem.
00:12:43: Klar, sein Aussehen war natürlich auffällig aber die Lehrerin und Lehrer haben ihn eben so akzeptiert wie er war.
00:12:49: Und Daniel hat dann auch tatsächlich erst seinen Hauptschulabschluss gemacht und später dann auch noch seinen Realschulab Schluss.
00:12:55: Dass er auf der Förderschule war, das lag nämlich wirklich nur an seinen emotionalen Problemen.
00:13:00: also Er war durchschnittlich intelligent und im Bereich Sprachen... Also er war durchsschnittlich intelligente und bei allem was mit Sprachen zu tun hatte, war er sogar richtig gut!
00:13:10: Das hat man auch im Prozess gemerkt.
00:13:12: Er konnte sich nämlich richtig gut ausdrücken, das war kein Geschwafel.
00:13:16: wenn ihm eine Frage gestellt worden ist dann hat er nachgedacht und dann erst da hat er darauf geantwortet.
00:13:22: Da fällt mir auch noch ein was einen Nachbar gesagt hat der im selben Haus gewohnt hat und der dann auch als Zeuge vernommen worden ist.
00:13:29: Der hat gesagt Als der Daniel klein war da war ja schon richtig schlauer boob So hat er sich damals ausgedrückt.
00:13:36: und dann hat er noch gesagt, der konnte nämlich die ganzen Dinosaurier aufzählen wie die alle hießen.
00:13:41: Als Daniels.
00:13:43: in den Jahren Da ist er dann in eine berufsvorbereitende Maßnahme vermittelt worden, so heißt es dann.
00:13:49: Und das lief aber wohl richtig gut!
00:13:52: Ein Jahr später hat er tatsächlich eine Ausbildung begonnen und zwar zum Sozialassistenten – also genau das was seine Lehrerin und Lehrer schon immer vermutet hatten, dass er eben später mal etwas Soziales macht.
00:14:04: Wenn er die Ausbildung abgeschlossen hätte, dann hätte er zB im Kinderheim arbeiten können, was ihm ja schon in der Schule Spaß gemacht hat sich um jüngere Schülerinnen kümmern.
00:14:13: Ja, das Problem war nur dass Daniel die Ausbildung eben nicht durchgehalten hat.
00:14:17: Wir wissen leider nicht warum aber was wir wissen ist, dass Daniel schon nach relativ kurzer Zeit einfach nicht mehr hingegangen ist und dann hatte er sie komplett abgebrochen in der Ausbildung so dass er zuletzt leider nichts mehr gemacht hat.
00:14:30: Er wohnt während der Zeit noch zu Hause und da wird diese Situation leider immer schlimmer.
00:14:36: Ramona, die hat zwischenzeitlich wieder angefangen zu arbeiten Was ja eigentlich erstmal gut ist weil da natürlich mehr Geld zur Verfügung stand.
00:14:43: Aber ab diesem Moment hat sie sich zu Hause um nichts mehr gekümmert und um Daniel schon mal so gar nicht.
00:14:50: Ja wie schlimm das war, das hat natürlich erstmal keiner geahnt.
00:14:53: Das ist erst bekannt geworden als die Polizei nach der Tat in der Wohnung aufgetaucht ist.
00:14:58: Das war nämlich eine echte Messiewohnung.
00:15:01: Alles war voller Müll, Pizzakartons, Flaschen, verschimmeltes Essen... alles war total dreckig!
00:15:08: Ja, um das mal so ein bisschen vorstellbar zu machen als die Wohnung später dann geräumt worden ist hat das Team, dass das übernommen hat, hundertzwanzig Müllsäcke voll gemacht und dann eben entsorgt.
00:15:20: Also man kann sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass da wirklich noch zwei Menschen drin gewohnt haben.
00:15:25: Das hat uns im Prozess damals natürlich auch beschäftigt und Daniel hatte dazu auch etwas gesagt, zu dem Zustand der Wohnung.
00:15:32: Ich habe mir damals aufgeschrieben was er dazu gesagt hat.
00:15:36: Er hat gesagt, Kaka-Lakenkäfer.
00:15:40: Ich habe nur noch den Ofen sauber gemacht, den ich benutzt habe.
00:15:44: Gespült hab' ich in der Badewanne aber auch das war total eklig.
00:15:48: Bevor ich geduscht hab', habe ich immer alles mit Desinfektionsmitteln saubergemacht.
00:15:52: Das war abartig!
00:15:53: Überall war Schimmel.
00:15:55: Der Mülle in der Wohnung, der war sicher sieben Jahre alt... ...das war ein richtiges Biotop.
00:16:01: Das was er damals zu dem Zustand der Wohnung gesagt hat.
00:16:05: Das wird einem ganz anders, ne?
00:16:08: Ja das klingt wirklich ekelig.
00:16:11: Und die Vorstellung da wohnen zu müssen mit einer Mutter, die dann nie da ist... Die war ja schon da!
00:16:17: Also nicht da da im emotionalen Sonder.
00:16:20: Ja und das war auch nichts was er sich ausgedacht hat.
00:16:23: Du hast es ja gerade schon gesagt, da ließ ja wieviel Müllsäcke da abtransportiert worden sind.
00:16:29: Es gab natürlich auch Fotos, die ich selbst zwar nicht gesehen habe aber nach allem was man weiß eigentlich nur noch zwei Zimmer in der Wohnung bewohnbar waren, einmal das Schlafzimmer von Ramona und dann das Kinderzimmer Von Daniel.
00:16:45: Das hat er am Anfang wohl auch noch aufgeräumt so dass es zumindest einigermaßen in Ordnung war.
00:16:51: aber irgendwann hatte er auch damit aufgehört weil er sich einfach gedacht hat interessiert doch sowieso kein.
00:16:56: also was solls?
00:16:58: Ja, genau das war dann auch die Zeit in der er sich immer mehr zurückgezogen hat.
00:17:01: Daniel saß die meiste Zeit vom Computer, er hat sich Anime-Serien angeguckt und er hat Musik gemacht.
00:17:09: Und soweit gehört aber auch dass er sich noch mit ganz anderen Themen beschäftigt hat – und zwar mit Massenmördern und Armorgläufern!
00:17:17: Er war auf Internetseiten wo man zugucken konnte wie Menschen sterben.
00:17:20: also es gab da auch noch diese andere dunkle Seite.
00:17:24: Richtige Freunde hat Daniel auch nur ganz, ganz wenige gehabt.
00:17:28: Das waren meistens Internetbekanntschaften also Leute mit denen er gezockt hat zum Beispiel Obwohl er sich Mit einem von ihnen doch dann ab und zu auch mal getroffen hat.
00:17:38: ja Er hatte auch zwischendurch Mal eine Freundin die er wohl auch gemocht hat Und sie ihn auch.
00:17:44: Die beiden die waren sich wohl auch relativ nahe.
00:17:46: das war jetzt keine online Beziehung aber das Problem war Daniel konnte nicht so richtig Vertrauen aufbauen Und dann sind auch seiner Freundin und tatsächlich auch seiner Mutter und anderen Freundinnen und Freunden aufgefallen, womit er sich so beschäftigt.
00:18:02: Nämlich mit Leichen, Amokläufen und Massenmördern – das war für die alle natürlich sehr gruselig!
00:18:13: immer relativiert hat.
00:18:14: Er hat das nicht bestritten, auch nicht dass sie in Massenmörder und Amokläufer fasziniert haben.
00:18:20: ein Name der dabei zum Beispiel gefallen ist über den er auch im Prozess erzählt hat Das war Randy Steyer aus den USA.
00:18:27: Der hat zwei tausendsehnten In einem Supermarkt erst drei seiner Kolleginnen und Kollegen erschossen Und dann auch sich selbst.
00:18:35: Daniel hat dazu Im prozess später mal gesagt für mich Eine Art von Kunst.
00:18:40: Und dann hat er auch noch gesagt, dass Töten das kann auch ästhetisch
00:18:45: sein.".
00:18:46: Das ist irgendwie schon eine sehr verstörende Aussage.
00:18:50: Ich mein klar es gibt viele Filme und Krimiserien oder so über's Töthen wo das immer wieder so thematisiert wird und es gibt unterschiedliche Täter und so.
00:18:57: aber was wir nicht vergessen dürfen Daniel war gerade mal dreizehn- oder vierzehn als er angefangen hat sich solche Sachen anzugucken und ja wirklich in einem ganz exzessiven Maß Und seiner Mutter hat das auf jeden Fall richtig Angst gemacht.
00:19:11: Ramona hatte so eine Routine, dass sie nach der Arbeit meistens noch kurz bei ihrer Freundin vorbeigegangen ist und er hat sie dann erzählt, dass ihr auf dem Computer von Daniel Leichen gesehen habt und dass er nur noch düstere Musik hört und dass auch einer Axt in seinem Zimmer hat.
00:19:27: Sie hat ihre Freundin damals sogar gesagt... Ich habe da ein Monster zu Hause, ich hasse ihn.
00:19:33: Besser er bringt sich um ist mir egal.
00:19:36: das hat sie ihrer Freundin damals gesagt.
00:19:38: und sie hat auch noch gesagt ich hab Angst!
00:19:41: Ich weiß nicht was ich machen soll.
00:19:42: irgendwann erschlägt er mich mit der Axt Und dass war tatsächlich genau einen Tag bevor es dann passiert ist.
00:19:50: Es kommt noch eine Sache hinzu die man wissen muss.
00:19:53: Daniel hat irgendwann angefangen, ziemlich viel Alkohol zu trinken.
00:19:56: Meistens Gin mit irgendwas gemischt.
00:19:59: Er hat auch gekifft, er hat Schmerzmittel genommen, manchmal auch ein Mittel das eigentlich bei Allergien eingesetzt wird und es aber ganz schön müde macht.
00:20:06: Damit hat er sich dann so ein bisschen zugedrönt.
00:20:08: Aber ist es noch nicht so weit gegangen dass wir hier von der Abhängigkeit sprechen?
00:20:12: Dann ist aber noch etwas passiert, was Daniel sehr schwer getroffen hat.
00:20:16: Anfang den Sozialen Medien ging plötzlich die Nachricht rum, dass er Pädophilist.
00:20:22: Er hatte über den sozialen Medien ein Mädchen kennengelernt und Sie war aber eben erst fünfzehn und er achtzehn.
00:20:32: Und das hat damals zu einem riesigen Shitstorm geführt, Daniel ist mit Vorwürfen wirklich bombardiert worden.
00:20:38: also das müssen richtig heftige Hasskommentare gewesen sein so dass sich die wenigen Freunde die er ohnehin nur hatte jetzt auch noch von ihm abgewendet haben.
00:20:48: Ja du hast es gerade schon gesagt das hat ihn richtig getroffen.
00:20:52: darüber ist natürlich auch im Prozess später gesprochen worden.
00:20:56: Er war fast schon so ein bisschen verzweifelt, als er davon erzählt hat.
00:21:21: Dann lasst uns die Situation mal vielleicht zusammenfassen, dieses große Bild.
00:21:25: Wir sind im Frühjahr twenty-fünfundzwanzig Daniel, der saß nur noch zu Hause rum in dieser absolut ekeligen Wohnung.
00:21:32: Er selbst hat getrunken, Horrorfilme geschaut sich mit Massenmördern und Amokläufern beschäftigt Und seine Freunde haben ihn ja alle verlassen nachdem es eben diese Gerüchte über ihn gab.
00:21:42: Genau in dieser Situation muss er immer mehr über seine spätere, sehr grausame Tat nachgedacht haben.
00:21:48: Das wissen wir weil Daniel nämlich so eine Art Tagebuch geschrieben hat.
00:21:52: Es hat wohl auch schon länger gemacht.
00:21:53: es gibt zum Beispiel einen früheren Eintrag.
00:21:56: da heißt es mein Leben ist nicht lebenswert weil ich fett und hässlich bin.
00:22:01: Ja später hat er dann auch noch geschrieben Ich hasse die Menschheit aber am Ende wird's dann richtig konkret.
00:22:09: Daniel hat nämlich eine Liste angelegt, die er mit den Worten Weg des Chaos überschrieben hat.
00:22:15: Das stand da oben drüber und Darunter stehen dann einzelne Punkte Die er sich vorgenommen hat.
00:22:22: das ist damals natürlich auch alles im Prozess erörtert worden.
00:22:25: ich habe mir das mitgeschrieben Und die Punkte die lauteten so erstens kaufe dir eine Waffe und ein Schwert.
00:22:33: Zweitens töte deine Mutter.
00:22:35: Drittens mache ein Video.
00:22:38: Viertens, die Rache kann beginnen.
00:22:40: Und dann stand da noch ich muss ihre sinnlose Existenz auslöschen und sie vom Schmerz des Lebens befreien.
00:22:47: damit meinte er natürlich wieder seine Mutter und es gab auch noch einen Satz der fast wie ja wie so eine persönliche Ansprache klingt.
00:22:56: Der lautete nämlich Mama Es tut mir leid Ich Muss es tun Einiges davon war auf Deutsch, anderes auf Englisch.
00:23:04: Aber das war halt diese Liste die sich auch in diesem Tagebuch gefunden hat.
00:23:09: Ja, das war... praktisch wie so eine Art Checkliste, an die er sich dann später auch gehalten hat.
00:23:14: Die Erkst mit der seine Mutter später erschlagen hat, die hatte Daniel ja schon.
00:23:18: Seine Mutter hatte sogar gesagt sie hätte Angst vor dieser Erkste.
00:23:21: Die hatte er mal im Baumarkt geklaut als er da in Praktikum gemacht hat.
00:23:25: Den Deult den er ja auch noch benutzt hat, den hat er dann allerdings wirklich erst eine Woche vor der Tat gekauft.
00:23:31: Ja, dann lasst uns mal auf den Tat-Tag gucken.
00:23:34: Wir sind jetzt am XXV Juni, das war ein Samstag.
00:23:39: Ramona und Daniel waren abends wie immer in ihrer Wohnung – jede in seinem Zimmer.
00:23:44: Daniel hatte vorher noch was zu essen geholt also Fast Food für beide und Ramona hat ihm offenbar gesagt dass er Burger holen soll!
00:23:52: Daniel hat dann in seinem Zimmer gegessen, Gin Cola getrunken und die letzte Folge der Anime-Serie Code Gees geguckt.
00:23:58: Das ist eine Serie über jemanden, der mit übernatürlichen Kräften gegen ein Imperium kämpft und dabei geht es eben auch um die Frage wie weit man für seine Ziele gehen darf?
00:24:07: Ja, dann kurz vor Mitternacht hat Daniel die Axt genommen, die in seinem Kinderzimmer an der Wand hängen und damit ist er dann in das Schlafzimmer seiner Mutter gegangen.
00:24:17: Ramona hat schon geschlafen Und dann hat er zugeschlagen, zehnmal direkt auf ihren Kopf.
00:24:25: Danach hatte das Schlafzimmer erst mal wieder verlassen.
00:24:27: Er ist in den Flur gegangen und hat sich im Spiegel angeschaut.
00:24:31: Dann hat er ihn durchgeholt und damit noch dreimal auf den Körper seiner Mutter eingestochen.
00:24:37: Direkt ins Herz und in die Lunge.
00:24:39: Da hat Daniel noch ein bisschen gewartet bis seine Mutter auch wirklich keine Lebenszeichen mehr von sich gegeben hat.
00:24:48: hat er sich ein Pizza Baguette in den Ofen geschoben, wie so eine Art Mitternachtsnack.
00:24:56: Und dann hat der sich ans Keyboard gesetzt und Musik gemacht.
00:24:58: also wirklich so als wäre alles normal und nichts
00:25:01: passiert.".
00:25:03: Am nächsten Tag da ist er dann noch mehrfach in das Schlafzimmer seiner Todmutter gegangen und hat sich den Leichnam angeguckt.
00:25:10: Daniel hat auch Fotos davon gemacht und er hat auch ein Video aufgenommen genau wie es in seiner Checkliste gestanden hat.
00:25:18: Das war allerdings eher ein Monolog für einen Freund, dem er wohl erzählt hat.
00:25:23: Dass er seine Mutter umgebracht hat und dass er jetzt auch noch einen Amoklauf in seiner ehemaligen Schule plant.
00:25:30: Die Richter haben das Video später im Prozess auch vorgespielt.
00:25:32: Allerdings vorne an der Richterbank sodass wir als Zuschauer das nicht sehen konnten und auch nicht hören konnten was da gesagt wurde.
00:25:40: Ich habe dann tatsächlich nur einen Satz verstanden.
00:25:43: Da hat Daniel gesagt ich wollte meine Fantasie ausleben Und genau das habe ich getan.
00:25:51: Lass uns da mal kurz reingehen, weil das ist ja eigentlich eine ganz spannende Sache!
00:25:54: Weil damit ist es nicht so richtig öffentlich wenn man das Video nur vorne kurz am Richtertisch abspielt.
00:26:01: Grundsätzlich sind Strafprozesse immer öffentlich – jedenfalls bei Erwachsenen angeklagten.
00:26:06: Damit soll verhindert werden dass der Staat heimlich urteilt.
00:26:10: Deshalb kann sich theoretisch jeder also auch alle die ihr gerade zuhört in den Zuschauerraum setzen.
00:26:15: Ausnahmen gibt es nur selten, wenn es zum Beispiel um sehr intime Details geht.
00:26:19: Eigentlich muss auch alles öffentlich besprochen werden.
00:26:22: aber jetzt sind wir bei unserem Sonderfall dass das Video nur vorn am Richtertisch abgespielt wurde.
00:26:27: die Frage ist ja dann Ist das jetzt noch Öffentlich und Die Antwort ist tatsächlich Ja, der Öffentlichkeitsgrundsatz verlangt nämlich nicht, dass jeder Zuschauer oder jede Zuschauerin auch wirklich jedes Detail selbst sehen kann.
00:26:41: Das hat man zum Beispiel bei Prozessen um Kinderpornografie – da werden die Bilder und Videos den Zuschauern ja auch nicht gezeigt!
00:26:47: Entscheidend ist, dass das Gericht nachher beschreibt was auf den Bildern oder dem Video zu sehen ist… Oder das mit dem Angeklagten erörtert.
00:26:58: Er hat eigentlich nach der Tat so weitergelebt wie vorher auch.
00:27:02: Er hat seine Serie geguckt, gut.
00:27:04: zwischendurch hatte er allerdings noch die Wände und einige Gegenstände in der Wohnung besprüht mit roter Farbe unter.
00:27:10: das waren dann verschiedene Symbole- und Schriftzüge.
00:27:13: Unter anderem das Wort Chaos aber er hat mehrere Hakenkreuze gesprüht.
00:27:20: Das war eigentlich kein Zufall.
00:27:22: Daniel ist früher schon mal aufgefallen am Ende Schule das haben wir ja schon gesagt.
00:27:26: Aber es gab da auch mal einen Prozess im Sommer, in dem Jahr zwanzig.
00:27:31: Also ungefähr ein Jahr vor und da ging es auch genau um sowas.
00:27:36: Um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
00:27:40: So heißt das dann.
00:27:41: darunter fällt zum Beispiel eben das Sprühen von Hakenkreuzen wenn es in der Öffentlichkeit gemacht wird.
00:27:47: Das Strafverfahren ist damals allerdings eingestellt worden.
00:27:50: D.h.,
00:27:50: es gab kein Urteil und damit war Daniel zur Tatzeit dann nicht vorgestorfft.
00:27:56: Aber es ist ja schon ein bisschen komisch, dass er ausgerechnet Hakenkreuze an die Wände sprüht.
00:28:00: Also das mit dem Chaos verstehe ich noch aber das passt ja jetzt irgendwie nicht so richtig?
00:28:05: Ja absolut!
00:28:07: Ich glaube aber trotzdem, dass das eher eine Art Wichtigtoerei war.
00:28:11: im Prozess hat er dazu mal gesagt... ...ich habe einfach manche Dinge gesagt, ich hab' manche Dinge gesagt, einfach nur um mich zu profilieren und manchmal habe ich auch Dinge ins Extreme gezogen, um einfach extrem rüberzukommen.
00:28:25: Das könnte hier auch so was gewesen sein, genau wissen wir es natürlich nicht.
00:28:29: Ich glaube aber trotzdem nicht dass er ja so richtig rechtsradikal war weil das hätten seine Lehrerinnen und Lehrer in der Schule bestimmt mitgekriegt und dann hätten sie dazu vor Gericht sicherlich auch etwas gesagt.
00:28:41: Ja wir sind jetzt immer noch am Sonntag also an dem Tag nachdem Daniel seine Mutter erschlagen hat Aber mit ihrer Leiche hat er sich gar nicht weiter beschäftigt.
00:28:50: Er hat sie sich zwar noch ein paar Mal angeguckt, aber eigentlich ist an dem Tag dann nichts Besonderes mehr
00:28:55: passiert.".
00:28:57: Ja und dann kam der Montag.
00:28:59: Da hätte Ramona natürlich wieder zur Arbeit gemusst – das hat Daniel auch gewusst!
00:29:05: Deshalb hat er gleich früh morgens ihr Handy genommen und hat ihrem Arbeitgeber eine kurze Textnachricht geschickt im Namen seiner Mutter.
00:29:12: Da stand drin Guten Morgen.
00:29:14: Ich gehe um acht Uhr zur Ärztin, melde mich wenn ich zurück bin.
00:29:17: Ich habe mir eine Grippe
00:29:19: eingefangen.".
00:29:20: Das hatte natürlich den Grund dass Daniel damit erst mal weiter auf der sicheren Seite war das also von Seiten des Arbeitsgebers auf jeden Fall keine Nachfragen kommen oder sich vielleicht jemand Sorgen macht was passiert ist und ja im schlimmsten fall dann ja auch mal anklingelt.
00:29:38: Ja, Daniel ist dann aus der Wohnung gegangen.
00:29:40: Er hat sich wieder seinen langen schwarzen Mantel angezogen und Springerstiefel was total nicht ins Bild gepasst hat weil das ein richtig heißer Tag war.
00:29:48: Und danach ist er dann so ein bisschen durch die Gegend gefahren mit Bus und Bahn.
00:29:52: Er war in ganz verschiedenen Städten hier bei uns im Ruhrgebiet erst dann nochmal zu seinen Lieblingsplätzen gefahren.
00:29:58: So ein bisschen wie eine Art Abschiedstour.
00:30:01: Aber das muss man auch sagen, sein Plan war ja noch nicht zu Ende.
00:30:05: Er wollte einen Amoklauf an seiner früheren Schule machen und das hatte er die ganze Zeit im Kopf gehabt.
00:30:14: Die Axt war in einer Umhängetasche und der Durch war unter seinem Mantel versteckt.
00:30:20: Ja und genau so ist er dann auch an seiner alten Schule angekommen.
00:30:23: Da war gerade Pause, das heißt die Kinder waren auf dem Schulhof.
00:30:26: einiger haben auch schon gewusst dass er kommt, dass er sie besuchen will.
00:30:30: Das hatte Daniel einer der Schülerinnen nämlich vorher geschrieben Und die hatte das dann auch rum erzählt sodass auch die Lehrerin und Lehrer gewusst haben Dass er heute zu Besuch kommt.
00:30:47: Die hat dann auch nach seiner Mutter gefragt, weil sie insgeheim gehofft hat dass Daniel nicht mehr zu Hause wohnt.
00:30:55: Sie konnte jetzt natürlich nicht wissen das Ramona schon seit zwei Tagen tot ist aber Daniel hat sich gar nichts anmerken lassen.
00:31:02: Er hat einfach nur gesagt ach der geht's gut!
00:31:04: Ja und dann sind auch noch die anderen Kinder angelaufen gekommen die sich auch richtig gefreut haben ihn wiederzusehen weil sie ihn ja noch von früher kannten.
00:31:12: und daran sieht man eben auch dass er an seiner Schule überhaupt kein Außenseiter war.
00:31:17: seine ehemalige Klassenlehrerin, die hat ihn dann sogar mit in den Unterricht genommen und ja da saß Daniel dann mit der Achse seiner Tasche und mit dem Dolch unter seinem Mantel.
00:31:28: Und er war plötzlich völlig durcheinander.
00:31:31: damit hatte er nämlich überhaupt nicht gerechnet dass er so freundlich empfangen wird.
00:31:36: Wie hat er das im Prozess erzählt?
00:31:38: diese Situation wie er da in der Schule war?
00:31:41: Ja sein Plan gar nicht durchgezogen hat!
00:31:47: hatte den Plan natürlich gehabt.
00:31:50: und er hat auch gesagt, ich war eigentlich drauf und dran anzufangen die Schüler umzulegen zu erlösen.
00:31:57: Das war nämlich immer das Wort was der benutzt hat zu er lösen.
00:32:01: Er hat in dem Fall halt umlegen gesagt und sich dann sofort korrigiert.
00:32:05: deshalb habe ich auch dieses aim da reingebaut gerade.
00:32:08: aber Dann hat er gesagt ja dann hat meine alte Klassenlehrerin mit mir geredet.
00:32:12: sie war nett zu mir.
00:32:14: wir haben über die alte Zeit gesprochen.
00:32:16: Das hat mich sehr glücklich gemacht.
00:32:20: Ich habe mich auf einmal gut gefühlt, ich hab mich geborgen gefühelt und dann hab' ich gedacht... ...ich kann das nicht!
00:32:27: Ich kann es nicht machen, ich kann jetzt hier keinen Amoklauf
00:32:31: starten.".
00:32:32: Also das heißt nochmal ganz kurz, dass er eigentlich geplant hatte mit dieser Axt-und dem Dolch auf die Kinder loszugehen?
00:32:39: Auf jeden Fall.
00:32:39: Das war sein Plan, das hat er so gesagt aber nicht um die Kinder.
00:32:44: umzubringen, also aus Mordlos zum Beispiel.
00:32:48: In seinen Gedanken sollte das so eine Art Erlösung sein für die Kinder.
00:32:53: er wollte.
00:32:53: Die Kinder erlösen, er wollte sie davon abhalten dass sie zu.
00:32:57: und jetzt kommen wieder seine Worte, dass Sie zu misgünstigen schlechten Menschen werden.
00:33:02: Und das wollte halt verhindern durch diese Erlöse.
00:33:05: Das war wie eine Art Mission von ihm.
00:33:10: zu deiner ganz konkreten Frage.
00:33:11: Er hat sogar eine Zahl im Kopf gehabt, er hat gesagt ich will auf jeden Fall neun Kinder sterben
00:33:17: sehen.".
00:33:18: Ja wir können nur sehr froh sein dass er das dann nicht gemacht hat zum Glück.
00:33:23: aber das war ja jetzt nicht weil die Kinder ihm plötzlich so leid getan haben dass er das ja nur deshalb nicht gemacht, weil er das seiner alten Klassenlehrerin und auch noch einer anderen Lehrerin nicht antun wollte.
00:33:34: Weil er sich bei ihnen ja zum ersten Mal sein Lang dann doch wieder wohl- und geborgen gefühlt hat.
00:33:39: Und der hat den Lehrerinnen und Lehrern später sogar noch ein Eis ausgegeben bevor er dann wieder gegangen ist mit dem Dolch unter seinem Mantel und der Axt in seine
00:33:49: Tasche.".
00:33:50: Das heißt aber ja auch, dass die Lehrerin an diesem Tag völlig unbewusst den Tod ihrer eigenen Schülerinnen und Schülern verhindert haben, weil sie einfach unvoreingenommen.
00:34:01: Und so wie wir das jetzt... Wie du es uns erzählt hast bis vor Gericht erzählt wurde, ehrlich, fröhlich auf ihn zugegangen sind und ihn warm und nett aufgenommen
00:34:11: haben.".
00:34:13: Auf jeden Fall!
00:34:14: Das hat Richterin Dorothe Indris, die dem Prozess damals am Essener Landgericht geleitet hat beim Urteil auch genau so gesagt dass Sie den Tod von mehreren Kindern verhinderten.
00:34:25: Durch ihre nette Art.
00:34:27: Bevor wir zum Prozess kommen, ganz kurz, wie es danach weitergegangen ist.
00:34:32: Daniel hat den ganzen Tag an dieser Schule verbracht.
00:34:36: Für alles Weitere hatte er dann aber keinen Plan mehr gehabt.
00:34:39: Er hat seine Mutter umgebracht und mit dem Armauklauf aufgegeben.
00:34:44: Danach kam in seinen Gedanken nichts mehr.
00:34:48: Er ist noch ein bisschen durch die Gegend gelaufen bis halb neun Abends.
00:34:52: Dann ist er in Gelsenkirchen ... zur Polizei gegangen und hat sich gestellt.
00:35:00: Es ist dann sofort ein Streifenwagen losgeschickt worden zu Ramonas Wohnung, um zu gucken ob das stimmt was Daniel gesagt hat.
00:35:07: aber es war eben genauso.
00:35:08: die Leiche von Ramona wurde sofort entdeckt.
00:35:12: Was die Beamtinnen und Beamten da gesehen haben, das muss wirklich furchtbar gewesen sein.
00:35:17: Wir haben ja schon gesagt dass Daniel zehnmal Mitteachs auf Ramonas Kopf eingeschlagen hat und dann auch noch mit dem Dolch zugestochen hat.
00:35:25: also Das war wirklich ein Tatort den die Polizisten und Polizistin wahrscheinlich ihr Leben lang nicht vergessen werden.
00:35:33: Daniel ist dann natürlich sofort festgenommen worden.
00:35:35: er hat dann auch einen Verteidiger bekommen der ihn dann auch sofort besucht hat bei der Polizei.
00:35:40: Und Daniel hatte schon einen weißen Overall an, seine eigene Kleidung ist ihm natürlich abgenommen worden weil die direkt zur Spuchensicherung gegangen ist.
00:35:50: Ja Daniel saß damals auf dem Boden, er hat eigentlich überhaupt keine Emotionen gezeigt.
00:35:55: und das erste Gespräch zwischen ihm und seinem Verteidiger, das hat dann so angefangen, dass hat der Verteider später vor Gericht erzählt.
00:36:03: Der Verteide hat gesagt du weißt warum du hier bist?
00:36:08: Was ist passiert?
00:36:10: Ich habe meine Mutter erschlagen.
00:36:13: Kann ich in der Haft weiter Musik
00:36:15: machen?".
00:36:16: Und das war dann so ein Moment, wo der Verteidiger zum ersten Mal gestutzt hat weil man daran ja sieht dass Daniel zumindest zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig bewusst war was er überhaupt gemacht hat und ihn eigentlich nur interessiert hat ob er weiter Musik macht.
00:36:31: Den meisten wird es dann ja im Prozess so richtig klar, was sie da überhaupt gemacht haben und wie ernst die Lage ist.
00:36:37: Deswegen gehen wir da jetzt mal rein.
00:36:39: Am sechzehnten Dezember, zwei tausendfünfundzwanzig hat der Prozess am Essener Landgericht angefangen.
00:36:45: Du hast den Prozess ja damals logischerweise verfolgt hören.
00:36:49: Wie war Daniel?
00:36:50: Da war immer noch so emotionslos ja abgebrüht ist gar nicht so einfach zu beantworten.
00:36:56: Also ich weiß noch, wie er von den Wachtmeistern in den Saal gebracht worden ist.
00:36:59: also erst mal muss man wissen Daniel ist wirklich eine Erscheinung sehr groß, sehr übergewichtig die Arme tätowiert lange schwarz gefärbte Haare.
00:37:09: sein Gesicht das hat man am Anfang gar nicht sehen können weil er die ganzen Haare darüber hatte.
00:37:14: aber ja und dann... Ja und dann hatte er seinen langen schwarzen Mantel angehabt darunter so ein riesengroßes weißes Schlabbert-T-Shirt mit Kritzeleien.
00:37:23: drauf könnte der Name einer Band gewesen sein, war aber nicht so richtig zu lesen.
00:37:29: Was mir aber vor allem aufgefallen ist, dass Daniel die ganze Zeit gelächelt hat und als die Kolleginnen und Kollegen von einem Fernsehteam dann reinkamen da hatte er ihn sogar zugewinnt.
00:37:42: Man könnte jetzt natürlich sagen das es irgendwie auch Unsicherheit war weil er ja immerhin im Prozess gerade mal neunzehn war, aber wahrscheinlich auch schwer zu sagen.
00:37:52: Ja, war aber wahrscheinlich so.
00:37:54: Das ist natürlich auch eine sehr angespannte Situation.
00:37:58: Das muss man einfach wissen.
00:38:00: Deshalb finde ich es auch manchmal unfair wenn Angeklagte reinkommen und lächeln und vielleicht weil sie auch im Zuschauerraum irgendjemand wiedererkennen.
00:38:08: das war jetzt bei Daniel nicht so der Fall aber manchmal ist das ja so und wenn dann berichtet wird Jetzt lächelt er auch noch, oder grinst auch noch.
00:38:15: Also das hat glaube ich schon was mit Unsicherheit zu tun und ja auch einfach nur manchmal wenn man jemanden grüßen will.
00:38:22: aber da war trotzdem ein ziemlich ungewöhnlicher Prozess auf Tag damals.
00:38:27: Richterin Dorothea Endres die hat Daniel nämlich nach der Anklageverlesung nicht gefragt.
00:38:32: stimmen die Vorwürfe?
00:38:34: Was sagen sie dazu?
00:38:35: Ihre erste Frage an Daniel war damals Was sind Sie für einen Mensch?
00:38:40: Poa, gar nicht so eine einfache Frage.
00:38:42: Ich kann mir vorstellen das ist jetzt nicht so aus dem Stegreif zu beantworten.
00:38:46: Ich wüsste auch nicht was ich da antworten sollte?
00:38:48: Also ich war auch ziemlich überrascht.
00:38:51: Daniel offenbar auch.
00:38:53: er hat nämlich geantwortet...ich bin halt ein Mensch.
00:38:55: und was wollen sie hören?
00:38:57: aber dann kommt das was ich vorhin schon mal gesagt habe.
00:39:00: er hat ne kurze Pause gemacht hat nachgedacht und dann hat er sich darauf eingelassen.
00:39:05: und der hat gesagt Ein nachdenklicher Mensch.
00:39:10: Ich kann traurig sein, ich bin rebellisch... ...ich bin kein großer Fan gesellschaftlicher Formen.
00:39:17: Ich bin eher aus dem Vor.
00:39:19: Ich sehe mich als Eremit und Eigenbrötler.
00:39:23: Und dann hat er noch gesagt, zu Hause war das immer so.
00:39:27: Ich ging durch den mystischen Flur.
00:39:30: Das war wie ein Wurmloch wenn ich in mein Zimmer gegangen bin von der normalen Gesellschaft zu mir in meinem Zimmer.
00:39:37: Das war mein Leben.
00:39:39: Okay, ich weiß schon was du meinst mit den gewählten Worten?
00:39:42: Ja das merkt man daran ne?
00:39:43: Ja klingt fast poetisch aber es gab ja auch noch diese sehr brutale grausame Tat.
00:39:50: Was hat er denn dazu gesagt?
00:39:52: Ja, die Tati hat er sofort gestanden.
00:39:54: Er hat gesagt ich habe meine Mutter eliminiert ausgelöscht das Wort umgebracht.
00:39:59: Das hat er später zwar auch mal benutzt aber eigentlich wollte er das nicht benutzen weil er ja auch seine Mutter erlösen wollte.
00:40:06: also dass war immer so.
00:40:07: seine Formulierung von ihrem miserablen Leben zumindest ja aus seiner Sicht war es halt so.
00:40:14: Also keine Rache Man könnte sich das ja vorstellen.
00:40:18: Rache dafür, dass sie sich nicht um ihn gekümmert hat.
00:40:21: Dass sie ihn irgendwann vielleicht auch nicht mehr geliebt hat oder er sich nicht mehr gefühlt hat.
00:40:25: Das könnte man sich ja vorstellen!
00:40:27: Oder Hass wäre ja auch ein Motiv?
00:40:29: Auf jeden Fall Richterin Dorothea Endres, die hat Ihnen das auch direkt gefragt ob er seine Mutter gehasst hat.
00:40:36: Darauf hat Daniel dann aber geantwortet nein ich habe meine Mutter nicht gehaszt.
00:40:41: Ich glaube ein Kind kann seine Mutter gar nicht vollkommen hassen.
00:40:45: Aber Und da sind wir wieder bei dem zweiten Punkt.
00:40:48: Ich habe mich auch nie ernsthaft geliebt
00:40:50: gefühlt.".
00:40:52: Und wie war das andersrum?
00:40:53: Also hat sie ihn gehasst?
00:40:56: Ja, das ist Daniel auch gefragt worden und da hat er gesagt ja ich wurde gehaszt von meiner Mutter.
00:41:02: Ich bin gar nicht mehr als Mensch wahrgenommen worden.
00:41:05: Ich habe mich gefühelt wie wenn man sich ein Haus dir anschafft und dann keine Lust mehr draufhat.
00:41:12: Ich habe mit meiner Mutter eigentlich nie über mich gesprochen, sie weiß absolut nichts über mich.
00:41:21: Das sind ja an sich schon sehr emotionale Worte.
00:41:25: aber hat er auch Gefühle gezeigt vor Gericht also wirklich Emotionen gezeigt?
00:41:32: Ja hatte als seine ehemaligen Lehrerin da waren dort dann nachher bitterlich geweint.
00:41:39: Und dann auch noch mal kurz vor der Urteilsverkündung, bei seinem sogenannten letzten Wort da hat Daniel gesagt ich war sauer aber dass es so weit gekommen ist.
00:41:50: das wollte ich nicht.
00:41:52: Dann hat er eine kleine Pause gemacht und dann noch diesen Satz gesagt Ich würde meine Mutter gerne fragen warum das alles passiert ist?
00:42:01: In dem Moment was im Gerichtsaal wirklich Muxmäuschen still man hat Nur noch das Rauschen der Klimaanlage gehört und Daniels lautes Schluchzen.
00:42:11: Er hat sich dann auch gar nicht mehr eingekriegt, ja das war dann auch der letzte Satz den er im Prozess gesagt hat.
00:42:18: Die Richter haben Daniel am neunten März, zwanzig, wegen heimtückischen Mordes verurteilt.
00:42:24: Also Heimtücke ist unser Mordmerkmal.
00:42:26: Seine Mutter hat ja schon geschlafen und war damit absolut arg-und wehrlos.
00:42:30: Es gab auch gar keine Abwehrverletzungen die man sonst meistens findet zum Beispiel an den Händen oder den Unterarmen.
00:42:36: Die Richtern haben aber keine klassische Strafe verhängt.
00:42:40: sie haben Daniel auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.
00:42:46: Dazu muss man wissen, dass der Psychiater den die Richter damals hinzugezogen haben Daniel als vermindert schuldfähig eingestuft hat.
00:42:53: Sonst wäre das rechtlich aber auch gar nicht gegangen mit der unbefristeten Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.
00:42:59: Der Hintergrund ist, dass Daniel seit vielen Jahren eine Persönlichkeitsstörung hat.
00:43:03: Daniel war seit seinem dritten Lebensjahr immer wieder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
00:43:07: Mal ist er ambulant behandelt worden, manchmal auch stationär Aber das hat ihm nie richtig geholfen.
00:43:14: Der Psychiater geht davon aus, dass es viele Jahre dauern wird bis Daniel vielleicht wieder entlassen werden kann.
00:43:21: Weil er sich völlig in seinem Gedankengebäude verfangen hat und sich darin die Rolle zugeschrieben hat das er selbst über das Leben anderer Menschen entscheiden kann.
00:43:32: Wir hatten uns ja gesagt naja er wollte die Kinder erlösen oder auch seine Mutter hatte immer von Erlöse gesprochen Und das macht ihn aus Sicht ist gut auch das halt so extrem gefährlich.
00:43:43: Ja, da gibt es auch so einen Satz den ich mir damals mitgeschrieben hat.
00:43:46: Der Gutachter der damals vor Gericht wörtlich gesagt was Daniel über das Töten gesagt hat dass er so eine Art von Kunst ist Das muss man mit großer Sorge ernst nehmen.
00:43:57: Er ist seine Persönlichkeit mit Sprengstoff.
00:44:00: Das waren damals die Worte des Psychaters.
00:44:04: Aber er hat auch gesagt dass es Hoffnung gibt weil Daniel ja einmal noch so jung ist was aus Sicht des Psychiatres halt auch heißt, dass er noch formbar ist und was auch positiv aufgenommen worden ist.
00:44:16: Das war ja scheinbar doch in der Lage ist, Gefühle zu zeigen, das er vielleicht doch erreichbar ist – das hat man ja gesehen dann als er geweint hat, als die Lehrerinnen und Lehrer da waren.
00:44:30: Und genau das wäre halt so ein Punkt, wo dann auch eine Therapie ansetzen kann.
00:44:35: Aber der Psychiater hat auch gesagt dass wir lange dauern sehr lange daueren wahrscheinlich fünf Jahre sechs Jahre vielleicht auch zehn Jahre.
00:44:45: Normalerweise muss man jetzt auch dazu sagen, ist es ja so dass bei vermindertem Schuldfähigkeit neben dieser Unterbringung in der Psychiatrie noch eine Haftstrafe angeordnet wird.
00:44:54: Aber die steht dann in der Regel nur auf dem Papier und kommt gar nicht wirklich zum Tragen.
00:44:59: aber beim Jugendstrafrecht da ist das tatsächlich nicht erforderlich.
00:45:03: Da muss man das nicht machen weil's eben nicht um Strafe geht sondern weil der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht Obwohl die Staatsanwaltschaft das ein bisschen anders gesehen hat damals.
00:45:16: Die Staatsanwaltschaft hat neben der Unterbringung in der Psychiatrie auch noch die Verhängungen von neun Jahren Jugendhaft gefordert, damit es auf keinen Fall passiert dass Daniel ja aus ihrer Sicht zu früh wieder rauskommt wenn die Therapie zum Beispiel sehr gut anschlägt.
00:45:32: mehr als zehn Jahre Jugendhaft werden in seinem fall aber auch gar nicht gegangen und wie wir gerade schon gesagt haben sie Strafe hätte ja sowieso im Hintergrund gestanden.
00:45:43: Also es kann gut sein, dass Daniel sowieso neun Jahre in der Psychiatrie bleibt.
00:45:48: Daniel war ja achtzehn also war von Anfang an klar das jetzt wirklich das Jugendstrafrecht angewendet wird?
00:45:55: Eigentlich schon.
00:45:55: er war ja auch noch kein Erwachsener wenn man das jetzt mal einfach so aus unserer Sicht auch betrachten würde.
00:46:03: Er hat nach Hause gewohnt und er war völlig unselbständig.
00:46:05: Er hätte doch nicht einmal gewusst wie eine Waschmaschine macht zum Beispiel.
00:46:09: Was er aber trotzdem bleibt, ist diese unfassbar brutale und ja auch geplanten Tat.
00:46:14: Daniel hat nicht nur einmal zugeschlagen.
00:46:16: Er hat im Prinzip gar nicht mehr aufgehört, auf seine Mutter einzuschlagen.
00:46:19: Und bei allem was wir über Ramona wissen, dass sie sich nicht um Daniel gekümmert hat, dass die keine Hilfe war.
00:46:25: Dass die beiden in dieser wirklich schlimmen Messiewohnung gelebt haben Es gibt natürlich nichts, was diese Tat auch nur ansatzweise rechtfertigt.
00:46:33: Ja weil es natürlich eine andere Lösung gegeben hätte, Daniel hätte einfach von zu Hause weggehen können und seine Mutter verlassen können.
00:46:41: Er war ja achtzehn, aber auch schon davor ... Seine Lehrerin hätten ihm mit Sicherheit geholfen damit er in eine Wohngruppe kommt zum Beispiel und darüber ist wohl mal gesprochen worden.
00:46:52: Das hat Ramona zwar abgelehnt Aber das hätte man trotzdem angehen können zusammen mit dem Jugendamt.
00:46:57: Wenn die sich die Wohnung mal angeguckt hätten dann hätte man Daniel ja wahrscheinlich sowieso das sofort da rausgeholt.
00:47:03: Ist das Jugendamt eigentlich mal eingeschaltet wurden?
00:47:05: Das ist ja eigentlich ein richtiger Jugendamtsfall, würde man sagen.
00:47:09: Absolut!
00:47:10: Ist auch eingeschaltet worden?
00:47:12: Ich weiß allerdings nicht, wer es gemacht hat, ob es diese Nachbarin war die da mal einen Hinweis gegeben hat oder jemand anders.
00:47:18: Es war wohl auch einmal eine Mitarbeiterin da aber... Ja, man muss einfach sagen dass Ramona ziemlich geschickt war.
00:47:25: Die hat diese Mitarbeiterin des Jugendamtes dann auf dem Hof empfangen und Sie konnte wohl auch nach außen hin zumindest ganz gut den Schein waren, dass einfach alles in Ordnung ist.
00:47:36: Das war ja auch in ihrem Job so.
00:47:37: Ihre Arbeitskolleginnen und Kollegen haben sie ja auch als absolut zuverlässig bezeichnet und die haben auch ein gutes Verhältnis zu ihr gehabt.
00:47:46: Und man muss einfach sagen eigentlich konnte sich keiner vorstellen das wie Ramona und Daniel damals gelebt haben um was sich da zusammen gebraut hat.
00:47:58: Was ich schwierig an diesem Fall finde, ist natürlich haben wir den Fall jetzt sehr aus Daniels Sicht erzählt.
00:48:06: Also von der harten Kindheit davon dass er das Gefühl hatte von seiner Mutter keine Liebe zu bekommen und so weiter.
00:48:14: Und natürlich irgendwie sind alle Menschen empfindet man dann doch Mitleid.
00:48:18: also mir geht es zumindest so.
00:48:20: Ich habe mit diesen menschen aber Und ich weiß, Nora, du hast es gerade auch schon mal gesagt.
00:48:26: Aber ich finde das ist nochmal wichtig zu betonen.
00:48:30: Ja, das war eine schwierige Kindheit und man kann da sicherlich auch Mitleid empfinden.
00:48:36: aber der hat seine Mutter im Schlaf mit einer Axt erschlagen.
00:48:41: diese Frau war absolut wehrlos egal was sie davor gemacht hat aus seiner Erzählung oder aus der Erzählungen der Nachbarin Das verdient niemand.
00:48:49: Also das ist eine ganz grausame Tat, dass es ein Mord ... Ein heimtückischer Mord und genau so ist Daniel ja auch verurteilt worden.
00:48:58: also ich finde das ist noch mal wichtig so ein bisschen einzuordnen Dass eben er der Täter ist Und sie in dem Fall die Betroffene Die wirklich um ihr Leben gekommen Ist und zwar auf Eine Ganz ganz Grausame Art.
00:49:09: Ja und man darf natürlich auch nicht vergessen dass wir nur seine Version kennen.
00:49:16: In dem Fall ist es ja nicht so, dass es da noch andere Familienangehörige gegeben hat.
00:49:22: Die vielleicht noch ein bisschen was erzählen konnten wie die Beziehung zwischen Daniel und seiner Mutter wirklich gewesen ist.
00:49:29: Wir kennen nur seine Version wir kennen ein bisschen von der Nachbarin.
00:49:32: Wir können ein bisschen vielleicht auch von den Lehrern aber vielleicht ist das ja auch nicht so die hundertprozentige Wahrheit.
00:49:41: Wir wissen's einfach nicht.
00:49:42: Vielleicht hätte uns Ramona wenn sie überlebt hätte, vielleicht auch noch was ganz anderes erzählt.
00:49:49: Ich finde da spricht es aber noch einen wichtigen Punkt an auf den wir auch nochmal eingehen müssen die Lehrerin von Daniel, die wirklich also erstens haben sie ihren eigenen Schülerinnen und Schülern da in dem Tag an der Schule das Leben gerettet und zwar jetzt gar nicht mit... Sie haben sich nicht heroisch irgendwo davor geworfen oder so sondern sie sind einfach auf einem ehemaligen Schüler der offensichtlich ja wahnsinnig den Pfad im Leben verloren hat.
00:50:12: Sind sie aber ganz freundlich und ja schon fast ja liebevoll auf ihn zugegangen.
00:50:17: Und das hat ihn in dem Moment so überfordert, dass er einfach nicht ... Er hat sich quasi abgeschaltet und dann wusste auch nicht mehr was er machen soll.
00:50:26: Und dieses freundliche Aufneinanderzugehen eigentlich haben sie genau das gemacht, was Schule für solche Kinder sein soll irgendwie ein sicherer Hafen, Leute den man vertraut.
00:50:37: Ja bei Daniel war halt das Problem, dass die vielleicht nach der Schule auch nicht.
00:50:42: Ja, und die Lehrerin ... Die haben das ja gar nicht gewusst.
00:50:47: Wir alle haben das damals mit diesem geplanten Amoklauf nicht gewusst.
00:50:51: Wir haben das erste erfahren als der Prozess angefangen hat.
00:50:53: Da wurde vorher gar nicht drüber gesprochen soweit ich weiß.
00:50:58: Sie haben dann auch im Prozess erfahren dass sie da das Leben von vielen Kindern gerettet haben genau durch ihre freundliche Art.
00:51:12: Ja, so ein schöner Punkt an dieser Geschichte die er sonst wie ich schon ganz am Anfang gesagt habe einfach nur furchtbar ist.
00:51:19: Ja und die waren ja auch vorher in seiner Schulzeit diejenigen die ihn zumindest ein bisschen aus diesem Loch raus geholt haben.
00:51:25: also diese Geschichte seine Geschichte.
00:51:28: Die hat ganz, ganz viele Tiefpunkte.
00:51:30: Aber das war so dieser einzige kleine Lichtblick nämlich diese Lehrkräfte da an der Schule die ihm eben gezeigt haben hey trage deinen Nagelag dein schwarzen Mantel sonst wie was?
00:51:41: Hier macht Musik!
00:51:42: Genau du bist hier willkommen und versucht haben das Beste aus ihm rauszuholen.
00:51:46: also das ist wirklich ja.
00:51:49: das bleibt finde ich schon ziemlich hängen.
00:51:52: Ja weil es einfach toll ist Trotz all der Schwere die natürlich dieser Fall hat.
00:51:56: Ich glaube, wir können uns dem quasi Psychiater ganz gut anschließen.
00:51:59: Daniel ist noch sehr jung und sehr formbar, wie er das ja formuliert hat.
00:52:04: Wer weiß was aus ihm mal wird?
00:52:06: Jetzt würde er erst einmal nicht auf freiem Fuß sein, sondern an sich arbeiten, was er bitter nötig hat!
00:52:12: Ja, was aber seine Mutter nicht mehr kann.
00:52:16: Danke Jörn, dass du uns diesen Fall mitgebracht hast.
00:52:19: Sehr gerne.
00:52:20: Wir hören uns alle beim nächsten Mal.
00:52:21: Bis dahin, ciao!
00:52:22: Tschüss!