00:00:00: Zu der Mutter zu gehen und zu sagen, es tut mir leid ihr Kind ist tot.
00:00:04: Da kriege ich heute noch Gänsehaut wenn nicht an solche Momente
00:00:07: denke.".
00:00:25: Und ich bin Nora Wager und wir sprechen in unserem Podcast über Verbrechen hier aus der Umgebung, also meistens dem Ruhrgebiet.
00:00:32: Und vor allem über die Gerichtsprozesse dahinter.
00:00:35: Deswegen ist heute wieder bei uns unser Gerichtsreporter Jan Hartwig!
00:00:39: Hi Jan!
00:00:40: –Hi Laura, hi Alicia!
00:00:43: Ja, in unseren Podcasts da geht es ja meistens um so richtig schwere Verbrechungen.
00:00:48: Wir reden über Mord- und Totschlagüberbeziehungen, die zum Albtraum werden oder über Taten, die manchmal so brutal sind dass sie uns selbst manchmal fassungslos zurücklassen.
00:01:00: Aber es gibt auch Fälle, die sind ganz anders weil eben nicht sofort klar ist war das jetzt überhaupt eine Straftat oder war das vielleicht normalisch verwerflich?
00:01:09: Oder keins von beiden?
00:01:11: und da hat doch jeder von uns seine eigene Meinung.
00:01:15: und genau über so einen Fall wollen wir heute mal sprechen.
00:01:19: Ja, in unserer heutigen Folge da geht es um den kleinen Riad aus Gelsenkirchen.
00:01:23: Riad war gerade mal zwei Jahre alt als er im August twenty-einenundzwanzig im Bett einer Minikita erstickt ist.
00:01:31: Er hatte die obere Bodenplatte eines Etagenbets angehoben sein Kopf dadurch gesteckt und die Platte dann nicht mehr halten können.
00:01:39: Die beiden Tagesmütter, die auf ihn aufpassen sollten haben das aber gar nicht mitbekommen.
00:01:44: Sie wollten unbedingt, dass Riad einen Mittagsschlaf macht.
00:01:46: Sie haben ihn in ein Bett gelegt aus dem er alleine nicht mehr rauskommt und dann die Tür zugemacht Als sie eine Stunde später wieder in das Zimmer gekommen sind.
00:01:53: variat schon tot.
00:01:56: Der Fall der ist auch deshalb besonders weil im ersten moment natürlich jeder von uns denkt Das kann nicht sein und das darf auch nicht sein.
00:02:04: allein schon Die vorstellung da wird ein zweijähriger Junge morgens in der Kita abgegeben Und als die mutter dann später wieder kommt um ihn abzuholen Da ist hier so ein Tod.
00:02:16: Ja, bevor wir den Fall von Riad erzählen müssen wir allerdings kurz etwas klarstellen.
00:02:20: Riad ist der Name, der damals fast von allen Medien benutzt worden ist und auch später bei den Prozessen.
00:02:26: die meisten Journalistinnen und Journalisten sind wahrscheinlich auch davon ausgegangen dass das wirklich sein richtiger Name ist.
00:02:33: Das war er aber nicht.
00:02:34: Nee, der Name Ria hat sich damals irgendeine Journalistin oder irgendein Journalist ausgedacht als Pseudonym für seinen richtigen Namen.
00:02:42: Um eben seine Persönlichkeitsrechte zu schützen.
00:02:45: Die hat man ja auch noch nach dem Tod und natürlich geht es auch um die Persönlichkeit der Eltern.
00:02:50: Ja, nachdem der Name dann aber einmal in der Welt war ist er bei der Berichterstattung immer wieder übernommen worden und hat sich rasend schnell verbreitet.
00:02:59: dabei hat dann auch keiner mehr geschrieben dass der Name irgendwann mal geändert worden wie man das im Printjournalismus ja sonst meistens macht, so ein kleines Sternchen oben und dazu dann der Hinweisnahme von der Redaktion geändert.
00:03:13: Der Name Riat hat sich einfach in den Köpfen festgesetzt und die meisten, die damals von dem Fall gehört oder gelesen haben, denken wahrscheinlich auch immer noch dass das der richtige Name dieses kleinen Jungen ist.
00:03:25: Das heißt für uns jetzt natürlich, dass wir einfach den Namen Riad benutzen können und ihn also nicht ändern müssen.
00:03:31: Weil er ja schon geändert worden ist.
00:03:33: aber wir haben wie immer die Namen aller anderen Personen auch ausgetauscht weil es uns natürlich in dieser Folge nicht darum geht irgendjemanden identifizierbar zu machen.
00:03:42: Wir wollen einfach nur den Fall erzählen der fast fünf jahrelang die Justiz hier beschäftigt hat.
00:03:49: Dann lasst uns mal in den Fall einsteigen.
00:03:51: Und unser Fall, der beginnt ja ein ganzes Stück weiter früher und zwar müssen wir zurückgehen bis ins Jahr zwei tausend acht.
00:04:00: damals haben Bundesrat und Bundestag beschlossen dass alle Eltern einen Rechtsanspruch auf um drei Betreuung bekommen sollen allerdings nicht sofort sondern in fünf Jahren.
00:04:10: es war so eine Übergangsfrist die damals festgelegt worden ist.
00:04:14: Für die Städte hieß das natürlich, es müssen jetzt ganz schnell Angebote geschaffen werden für Kinder zwischen ein und drei Jahren.
00:04:21: Davor gab es zwar auch schon U-Drei Betreuungsplätze aber das waren noch nicht so richtig viele Plätze.
00:04:28: durch den Rechtsanspruch ist man jetzt davon ausgegangen dass die Nachfrage massiv steigen wird was auch tatsächlich passiert ist.
00:04:36: Inzwischen ist es wirklich so, wir haben das mal nachgeguckt dass zumindest in Nordrhein-Westfalen rund ein Drittel aller Kinder unter drei Jahren in einer Kindertagesstätte oder in einer Tagespflege betreut werden.
00:04:49: Ja, und damals hat dann auch Gelsenkirchen ziemlich schnell reagiert.
00:04:53: Die Kitas wurden erweitert – und dazu wurden auch gleich mehrere sogenannte Minikitas eröffnet.
00:04:59: Das waren kleine Einrichtungen in denen bis zu neun Kinder betreut werden durften.
00:05:04: Und die Leiteren oder Leiter mussten nicht unbedingt Erzieher sein!
00:05:10: Eine dieser Einrichtungen war im Stadtteil Schalke.
00:05:12: Und dies tatsächlich schon in dem Jahr, also ein Jahr nachdem das Gesetz beschlossen wurde eröffnet worden und zwar in einem ehemaligen Ladenlokal.
00:05:20: Die Stadtgelsenkirchen hat die beiden Tagesmütter, die damals als ja die ersten dort waren, die da gearbeitet haben natürlich auch unterstützt weil die Räume erstmal umgebaut werden mussten so dass sie wirklich für Kinder geeignet sind und außerdem musste natürlich auch Betten angeschafft werden.
00:05:35: Kinder zwischen eins und drei machen ja in den allermeisten Fällen noch Mittagsschlaf.
00:05:40: Die ersten Betten, die damals angeschafft worden sind.
00:05:42: Das waren Betten von Ikea weil das Budget für die Ausstattung einfach nicht so hoch war aber es hat sich dann ziemlich schnell herausgestellt als sie da waren und die Kinder da auch drin geschlafen haben dass sie einfach den Anforderungen nicht so richtig gerecht geworden sind dass sie nicht gut genug waren.
00:06:01: Ja, die Stadt Gelsenkirchen hat dann auch ziemlich schnell gesagt okay gut wir brauchen was Neues und deshalb durften die Tagesmütter nochmal neue Betten auswählen.
00:06:09: Aber diesmal gab es dafür ganz klare Vorgaben!
00:06:12: Die neuen Betten müssen auf jeden Fall von einem Kita-Ausstatter kommen sie müssen langlebig sein und Sie dürfen natürlich auch dieses mal wieder nicht zu teuer sein.
00:06:22: Am Ende hat man sich dann für vier Stockbetten entschieden, die dann im Auftrag der Stadt an diese Minikita geliefert worden sind.
00:06:29: Die Spudeteure – das waren jetzt nicht einfach nur Möbelpacker – haben sie vor Ort direkt aufgebaut und in die Räumlichkeiten getragen.
00:06:36: Die neuen Betten hatten allerdings eine Besonderheit.
00:06:39: Sie hatten nämlich ein Gitter, dass sich wie so einen Garagentor öffnen und schließen ließ.
00:06:46: damit konnte man natürlich verhindern, dass die Kinder die Betten während des Mittagsschlafs alleine verlassen.
00:06:51: Man muss sich diese Gitter so ein bisschen vorstellen wie so Gitter, die man auch an Treppen macht, das also die Kinder da nicht runtergehen und runterfallen können mit Stäben, die von oben nach unten gehen und geschlossenes Gitter bilden
00:07:08: dann.".
00:07:10: Und als der kleine Ria dann elf Jahre später mit seiner Mama zum ersten Mal in die Minikita kam?
00:07:16: Da waren genau diese Betten auch immer noch da, obwohl die Betreiberin inzwischen natürlich schon mehrfach gewechselt hatten.
00:07:31: Gabriela war mit thirty-six Jahren die ältere und sie hatte auch schon ziemlich viele Erfahrungen in der Udreibetreuung.
00:07:40: Sie hat nämlich schon ungefähr fünf Jahre lang als Springerin, so nennt man das halt für die Stadt Gelsenkirchen gearbeitet.
00:07:46: Das heißt, sie ist in mehreren Minikitas eingesetzt worden, halt immer da wo gerade jemand gebraucht wurde weil nicht genug Personal da war.
00:07:55: dafür hatte sie sogar extra eine Ausbildung gemacht, eine ausbildung zur Tagespflegeperson Und sie war auch Mutter von zwei Kindern.
00:08:04: Ja, und bei der Stadt war momenwohl auch ziemlich zufrieden mit ihr so dass Gabriela im Sommer zwanzigundzwanzig das Angebot bekommen hat als eine von zweitagesmüttern die Betreuung der Einrichtungen im Stadtteil Schalke zu übernehmen.
00:08:16: Bei Deria war das ein bisschen... Anders.
00:08:18: Sie war damals, so ganze elf Jahre jünger als Gabriela.
00:08:23: Sie hatte noch keine Kinder und sie hat da auch überhaupt keine Erfahrung als Tagesmutter.
00:08:28: Aber sie war auf dem Papier höher qualifiziert!
00:08:31: Sie hatte nämlich eine zweijährige Ausbildung zur Kinderpflegerin gemacht.
00:08:36: Deria war es dann auch die sich um Riads Eltern gekümmert hat, als die damals in der Minikita erschienen sind?
00:08:42: Das allerdings gar nicht so einfach, weil sich Deria mit den Eltern kaum verständigen konnte.
00:08:48: Die Eltern haben nämlich nur arabisch gesprochen, sodass man wirklich nur über Google Translate miteinander sprechen kann man gar nicht sagen kommunizieren konnte.
00:08:59: Die Gespräche waren aber natürlich wichtig, weil der ja schon wissen musste was Riad für ein Kind ist.
00:09:04: Also sie hat Riads Eltern dann auch einen Elternfragebogen mitgegeben den die ausfüllen sollten und darin ging es zum Beispiel um Essensgewohnheiten, um Notfallnummern und natürlich auch um die Schlafgewohnheit von Riad.
00:09:18: Riads Eltern, die haben den Fragebogen auch ausgefüllt.
00:09:21: Er war zwar auf Deutsch aber sie hatten Hilfe von einem Bekannten der für sie übersetzt hat und so ging das dann schon.
00:09:28: Und Sie haben vor Gericht später auch gesagt dass wir den Fragebogen auf jeden Fall wieder abgegeben haben.
00:09:34: Aber daran wollte oder konnte sich Dere ja nicht mehr erinnern und dieser fragebogen ist tatsächlich auch danach nie wieder aufgetaucht.
00:09:42: Der Punkt Schlafgewohleiten, der war natürlich gar nicht so unwichtig.
00:09:46: Das war bei Riat nämlich eine kleine Besonderheit.
00:09:50: Seine Mutter will der ja gleich zu Beginn gesagt haben mein Sohn Riat macht schon seit anderthalb Jahren keinen Meterschlaf mehr.
00:09:58: damit war schon Schluss bevor er eins geworden ist und jetzt war hier auch schon zwei.
00:10:04: Ja und sie hat dir ja wohl auch gesagt, dass man machen kann was man will.
00:10:08: Dass das einfach nicht mehr funktioniert.
00:10:10: Das Riat nicht mal einschläft wenn man mit ihm tagsüber im Auto durch die Gegend fährt.
00:10:15: Was ja bei vielen kleinen Kindern schon ganz gut klappt.
00:10:18: Dazu muss man allerdings noch wissen, dass Riat für sein Alter schon ziemlich groß war also, zweiundneinzig Zentimeter und auch relativ schwer.
00:10:25: er hat siebzehn Kilo gewogen.
00:10:27: Das ist deutlich über dem Durchschnitt und er war wohl auch ein ziemlich aktives Kind.
00:10:32: Riad, der ist dann in den folgenden Wochen mehrfach mit seiner Mutter in die Minikita gekommen zur Eingewöhnung.
00:10:38: Das waren jeweils so ein bis zwei Stunden, die die beiden dann in der Minikitta verbracht haben.
00:10:44: Dabei ist Riad allerdings fast immer an der Seite seiner Mutter geblieben kann man sich auch vorstellen Die Mutter war höchstens mal fünf oder zehn Minuten nicht im Raum.
00:10:56: Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Riad bis dahin noch nie außerhalb der Familie betreut worden ist.
00:11:03: Außerdem gab es für ihn ein ganz anderes Problem.
00:11:06: Er hatte nämlich auch kein Wort Deutsch gesprochen.
00:11:09: deshalb konnte er sich weder mit den anderen Kindern unterhalten noch verstehen was die beiden Tagesmütter gesagt haben.
00:11:17: Die Eingewöhnungszeit ist aber wohl trotzdem ganz gut gelaufen.
00:11:21: Deria und Gabriela waren auch ganz zufrieden, sodass derias Riads Mutter schließlich per WhatsApp geschrieben hat, dass Riad am dreißigsten August zwanzigundzwanzig dann zum ersten Mal ganz alleine in der Kita bleiben soll – und da auch einen Mittagsschlaf machen soll!
00:11:37: Riyads Eltern haben sich die Nachricht wieder übersetzen lassen und auch verstanden, aber das war natürlich nicht das womit sie gerechnet haben.
00:11:44: Und auch nicht das was aus ihrer Sicht abgesprochen war!
00:11:47: Sie haben deshalb hin und her überlegt was sie machen sollen und schließlich entschieden dass Riyad einfach schon vor dem Mittagsschlaf wieder abholen, damit es keine Probleme gibt.
00:11:58: Der Drei-Sächs.
00:11:59: August, zwei-tausend-einundzwanzig das war ein Montag.
00:12:02: Riat ist morgens von seinem Vater in die Betreuung gebracht worden.
00:12:06: Das war natürlich nicht ganz einfach kann man sich ja auch vorstellen.
00:12:10: er hat dann auch erst mal geweint als sein Vater wieder gegangen ist aber es war jetzt auch nicht so richtig dramatisch.
00:12:16: und Ja außerdem passiert das wahrscheinlich in jeder U drei Einrichtungen jeden Tag irgendwo zumindest wenn die Kinder neu sind.
00:12:24: Ja, man muss auch sagen danach ist eigentlich alles ganz gut gelaufen.
00:12:28: Riad hat mit den anderen Kindern gespielt und er hat auch das gemacht was Deria und Gabriella gesagt haben obwohl sie natürlich nicht verstehen konnte.
00:12:35: aber irgendwie hat das alles geklappt.
00:12:38: Deria hat Riads Mutter dann im Laufe des Vormittags sogar noch ein Foto geschickt von Riad.
00:12:43: da waren sie nämlich zusammen mit den Kindern auf einem Spielplatz der ganz in der Nähe war Und ja Riads mutter die hat sich dann wahrscheinlich auch wirklich keine Sorgen mehr gemacht.
00:12:52: Aber dann kam die Mittagszeit, zwölf Uhr Zeit für den Mittagsschlaf und den sollte Riad aus Sicht der beiden Tagesmütter auf jeden Fall auch machen.
00:13:01: Dabei ist allerdings nie so richtig klar geworden ob sie vergessen haben dass er eigentlich schon lange keinen Mittagschlaf mehr macht oder ob sich einfach gedacht haben ist uns auch egal.
00:13:11: da wird ins Bett gelegt und damit Basta, der wird schon irgendwann einschlafen.
00:13:16: Ja, Sie haben Ria dann in eines der oberen Betten gelegt und sie haben auch das Gitter runtergezogen damit Riat auf jeden Fall im Bett bleibt.
00:13:24: Und dann haben sie selbst erst mal Mittagspause gemacht.
00:13:28: Dirja hat die Einrichtung für eine Viertelstunde verlassen und Gabriele hat sich in der Zwischenzeit alleine um die Kinder gekümmert.
00:13:35: Das war grundsätzlich jetzt kein Problem.
00:13:37: Das hatten die beiden so abgesprochen.
00:13:40: Außerdem war Ria an dem Tag ja gerade einmal eins von drei Kindern übermittelt.
00:13:45: Das Problem war nur, dass Ria überhaupt nicht daran gedacht hat die Augen zuzumachen.
00:13:50: Kaum war die Zimmertür zu ist er aus seinem Bett geklettert.
00:13:53: wie ihr das geschafft habt weiß bis heute eigentlich keiner.
00:13:56: entweder hatte das Gitter nach oben geschoben Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass er oben über das Gitta gekletterd ist und sich dann aus der oberen Etage des Bettes irgendwie nach unten gehangelt hat Dass dabei nichts passiert ist dass er zum Beispiel nicht abgestürzt ist das es eigentlich schon ein kleines Wunder Ja, aber es ging noch weiter.
00:14:16: Riad ist zur Tür gelaufen und hat sie aufgemacht.
00:14:19: Er ist durch den Flur der Kita bis zu einer Terrassentür und die war offen.
00:14:24: Es war ja Ende August und warm und er ist dann durch die Tür nach draußen gelaufen barfuß über eine Straße, auf der auch Autos gefahren sind.
00:14:32: Und er ist bis zu einem Spielplatz gelaufen, auf dem er schon morgens gewesen.
00:14:36: Gabriella, die ja eigentlich aufpassen sollte hat davon allerdings überhaupt nichts mitbekommen.
00:14:42: Sie saß auf dem Boden und war mit ihrem Handy beschäftigt.
00:14:48: Zum Glück muss man sagen einer Mutter aufgefallen, die da mit ihrem eigenen Kind vorbeigekommen ist.
00:14:54: Und dieser Frau ist das natürlich irgendwie komisch vorgekommen dass dann kleiner Junge ohne Schuhe, ohne Socken ganz alleine auf dem Spielplatz ist.
00:15:02: Ohne Mama!
00:15:03: Sie hat sich dann natürlich erstmal um geguckt ob die Eltern vielleicht irgendwo in der Nähe sind aber... Da war keiner.
00:15:09: was sie dann allerdings gesehen hat Das war das in der U-Dreibetreuung Die sie auch kannte und die Terrassentür auf war Dann ja eins und eins zusammengezählt.
00:15:19: Und hat sich gedacht, von da wird er wohl ausgebüxt
00:15:22: sein.".
00:15:23: Ja sie hat dann Riad auch sofort dahin zurück gebracht – und sie war wohl auch richtig sauer!
00:15:27: Also sie muss zu Gabrieler damals sowas gesagt haben wie «ja das darf ja wohl nicht wahr sein der Junge, der läuft hier einfach raus über eine Straße und Sie kriegen das noch nicht mal mit».
00:15:36: Vor Gericht hat sie dazu später übrigens auch noch was anderes gesagt.
00:15:40: Sie hat gesagt ich habe mir im Nachhinein ziemlich große Vorwürfe gemacht dass ich das Kind überhaupt in der Einrichtung gelassen habe, nachdem ich es zurückgebracht habe.
00:15:51: Ja wobei man... also ich verstehe schon dass sie sich da vielleicht schuldig fühlt aber die konnte ja wirklich gar nicht wissen was danach passiert ist und sie hat ja alles richtig gemacht.
00:16:00: Also Sie trifft überhaupt keine Schuld.
00:16:03: Ja bei Deria & Gabriele kann man aber schon sagen das das mit Aufsichtspflicht jetzt eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun hatte.
00:16:09: Ich meine natürlich darf sich Gabriele in ihrer Mittagspause auch mal mit ihrem Handy beschäftigen Aber das hat auch Grenzen.
00:16:16: Sie hätte sich mit ihrem Handy vor die Terrassentür setzen können, dann hätte sie auf jeden Fall bemerkt, wenn Riad an ihr vorbeigelaufen wäre oder sie hätte die Terrassen-Tür einfach zumachen können.
00:16:26: also es gab ja schon Möglichkeiten.
00:16:28: Ja Gabriele und Deria waren natürlich heilfroh.
00:16:31: dass Riad nichts passiert ist ja wirklich gerade noch mal so gut gegangen Aber es war jetzt nicht so, dass sie sich dann jetzt richtig mit ihm beschäftigt haben.
00:16:39: Also Sie haben nicht versucht ihn zu erklären, dass er das nicht machen darf und nicht alleine rauslaufen darf.
00:16:45: Sie haben ihn einfach wieder zurück in den Schlafraum gebracht.
00:16:49: Ja diesmal haben Sie ihn aber nicht wieder in eines der oberen Betten gelegt sondern in eines unteren.
00:16:56: Und Sie haben auch wieder das Gitter nach unten gezogen sodass Ria dieses Mal wirklich komplett eingesperrt.
00:17:04: Er konnte wirklich nicht raus, die Seiten waren zu.
00:17:07: Da waren einfach Holzwände.
00:17:09: Oben drüber war das andere Bett und nach vorne raus ging es natürlich auch nicht, weil da genau das Gitter war.
00:17:16: Er konnte nichts machen.
00:17:20: Deria und Gabriela sind dann wieder rausgegangen.
00:17:23: Sie haben auch die Tür zum Schlafraum wieder zugemacht aber das war natürlich nicht was Riad wollte in dem Moment dass er jetzt im Bett ist und wieder schlafen soll.
00:17:32: Er hat dann wohl auch ein bisschen geweint und gekwängelt.
00:17:34: Das haben Derya und Gabriele aber völlig ignoriert, so als typisches Quengeln abgetan.
00:17:40: Und wenn es nach fünf bis zehn Minuten komplett ruhig war, da soll Gabriele noch was gesagt haben wie ja.
00:17:46: Siehst du?
00:17:46: Jetzt ist er ruhig!
00:17:48: Es hat ungefähr eine Stunde gedauert, bis sie wieder in den Schlafraum gegangen sind, weil eine andere Mutter ihr Kind abholen wollte.
00:17:57: Da haben sie gesehen, was passiert ist... Riyad hatte sich in seinem Bett hingestellt, obwohl er da eigentlich gar nicht so richtig stehen konnte.
00:18:06: Wir haben ja schon gesagt, dass er zwei-neinzig Zentimeter groß war und bis zur Bodenplatte des oberen Bettes, da waren es aber gerade mal so fünfundsechzig Zentimetern.
00:18:15: Er hatte sich dann mit seinem Kopf oder seiner Schulter gegen die obere Platte gestemmt und sie dadurch auch tatsächlich an einer Seite angehoben, obwohl sie immerhin elf Kilo gewogen hat.
00:18:26: Also das war so eine richtig dicke Spanplatte mit so runden Löchern drin zur
00:18:31: Belüftung.".
00:18:32: Ja genau da ist dann das passiert was wir am Anfang schon gesagt haben.
00:18:35: er hat seinen Kopf durch den Spalt gesteckt also genau zwischen die angehobene Bodenplatte und dem Gitter des oberen Bettes und dann hatte er sie nicht mehr halten können, also die Platte und dadurch regelrecht eingeklemmt wurden.
00:18:49: Ja, die Platte war einfach so schwer dass Riad nicht mal mehr schreien konnte und er hat auch praktisch sofort nicht mehr atmen können.
00:18:57: Riad ist erstickt!
00:18:59: Ein Rechtsmediziner der hat später im Prozess gesagt das Riad wahrscheinlich nach dreißig bis sechzig Sekunden ohnmächtig geworden ist.
00:19:07: danach soll es dann aber noch sechs bis zwölf Minuten gedauert haben bis sein kleines Herz wirklich aufgehört hat zu schlagen Als Deria und Gabriela ihn dann so vorgefunden haben, da haben Siriya natürlich sofort aus dem Bett befreit.
00:19:22: Und auch den Notruf angerufen.
00:19:24: dabei hat ihnen der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in der Leitstelle auch noch gesagt dass sie auf jeden Fall direkt mit der Reanimation anfangen sollen.
00:19:32: das haben Sie natürlich auch gemacht.
00:19:34: Die Reha hat sogar noch ihren Ehemann angerufen, der ganz in der Nähe gearbeitet hat.
00:19:38: Der ist auch sofort gekommen.
00:19:40: Er war sogar vor den Rettungskräften und der Notärztin da, die die Rehanimation dann kurz übernommen hat.
00:19:46: Aber eigentlich war schon von Anfang an klar, dass es für Riad keine Hoffnung mehr
00:19:50: gab.".
00:19:52: Und fast zur selben Zeit ist dann auch Riads Mutter an der Kita eingetroffen, zusammen mit ihrem älteren Sohn.
00:19:59: Sie hatte ja eigentlich geplant, Riads schon vor der Schlafenszeit abzuholen also vor zwölf Uhr.
00:20:04: Das hat sie aber nicht geschafft weil der Schulbus ihres anderen Sohnes einfach an diesem Tag Verspätung hatte.
00:20:11: Sie hat dann auch gesehen, wie der Rettungswagen angekommen ist und die Sanitäter in die Minikita gerannt sind.
00:20:17: Und sie wollte auch direkt hinterher um halt zu gucken, ob irgendwas mit Riad passiert ist – aber das ist ihr nicht erlaubt worden!
00:20:24: Dirias Ehemann hat gesagt, dass sie draußen warten soll.
00:20:27: Es war allerdings jetzt nicht seine Entscheidung sondern es war tatsächlich eine Anweisung von der Person in der Rrettungszentrale weil die hat am Telefon gesagt auf gar keinen Fall die Mutter reinlassen.
00:20:37: Das Schlimme für Riads Mutter war, dass sie eben auch niemanden fragen konnte.
00:20:41: Weil keiner arabisch gesprochen hat.
00:20:43: Sie ist dann draußen hin und her gelaufen um die Kita herum Dann wieder zurück zum Eingang um vielleicht irgendwie was sehen zu können.
00:20:50: Irgendwann sind dann die Türen aber auch wieder aufgegangen weil die Rettungssanitäter ein Kind auf einer Bare nach draußen gebracht haben.
00:20:58: das Kind das war zwar abgedeckt Aber Riads mutte hat sofort gewusst dass es ihr Sohn ist weil sie die Hose erkannt hat.
00:21:05: Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt auch schon da, genau wie Riads Vater, der von seiner Frau angerufen worden ist.
00:21:12: Die beiden haben aber immer noch nicht gewusst was genau passiert ist.
00:21:18: Ja und eine forty-sechjährige Polizeibeamtin hat dann die absolut schlimmste Aufgabe gehabt, die es in diesem Moment noch gab.
00:21:26: Sie musste den Beiden nämlich sagen dass ihr Sohn das Riad tot ist.
00:21:31: Vor Gericht hat die Beamtin später gesagt... Absolut emotionale Situation.
00:21:37: Die Mutter hat sofort angefangen zu schreien, sie ist hin und her gerannt der Vater, der hat mit seiner Faust gegen eine Fensterscheibe geschlagen die dadurch sogar kaputt gegangen ist.
00:21:48: Und dann hat sie noch gesagt das war wirklich alles hochdramatisch damals.
00:21:53: Riads Eltern sind von da aus dann natürlich sofort ins Krankenhaus gefahren, wo Riad auch hingebracht worden ist.
00:21:59: Aber auch da durften sie ihren Sohn erst mal nicht sehen.
00:22:02: Es hat wirklich noch Stunden gedauert bis sie schließlich zu ihm durften und da lag Riad schon nicht mehr in einem Bett sondern schon in dem Bereich in dem die Leichen aufbewahrt werden.
00:22:11: Ich weiß noch was die Mutter gesagt hat als sie genau diese Szene später vor Gericht geschildert hat.
00:22:17: Sie haben den Schrank aufgemacht Seine Finger waren ganz blau Die Schulter auch Und dann bin ich rausgerannt und bei diesen Worten hat sie bitterlich geweint.
00:22:29: Das muss wirklich so schlimm für die Eltern gewesen sein in dem Moment, also auch dass Sie ihren Sohn solange nicht sehen durften.
00:22:36: Dann kommt ja noch dazu das der ältere Bruder von Ria, die ganze Zeit dabei war – und er war ja auch noch ein Kind!
00:22:43: Wie hat er das denn alles aufgenommen?
00:22:45: Ja, die Mutter hat gesagt, dass er danach ein Monat lang nicht zur Schule gegangen ist.
00:22:50: Weil er einfach so traurig war, dass sein Bruder das Riad nicht mehr da ist.
00:22:55: Inzwischen soll es ihm aber wohl wieder besser gehen.
00:22:58: sie selbst also Riads Mutter, die hat danach übrigens auch lange Zeit Beruhungsmittel nehmen müssen weil sie... Das kann man sich ja auch vorstellen mit dem Tod von Riad einfach nicht fertig geworden ist.
00:23:11: Gab es in diesem Moment, an diesem Jahr verhängnisvollen Tag eigentlich noch mal Kontakt zwischen den Tagesmüttern und Riads Familie?
00:23:17: Weil die kannten sich ja.
00:23:20: Riads Mutter hat gesagt dass sie die beiden an dem tag nachdem es passiert ist überhaupt nicht mehr gesehen hat also in der Kita in dieser Einrichtung in Gelsenkirchen Schalke Deria später allerdings gesagt, dass sie Riads Mutter noch eine Nachricht aufs Handy geschickt hat und diese Nachricht lautete wir beten für dich und deine Familie.
00:23:43: Nach Riads Tod sind dann natürlich sofort die Ermittlungen angelaufen weil völlig unklar war was da genau passiert ist und wie es überhaupt sein konnte das der kleine Riad in dieser Kita gestorben ist.
00:23:54: Die Ermittlenden haben sich natürlich auch das Bett angeguckt Und da hat sich relativ schnell rausgestellt, dass die Bodenplatte komplett lose in dem oberen Bett gelegen hat.
00:24:05: Obwohl das natürlich absolut nicht sein durfte.
00:24:07: sie hätte auf jeden Fall angeschraubt oder zumindest mit Winkeln fixiert sein müssen.
00:24:12: Dafür gibt es sogar Dienvorschriften, die beim Aufbau allerdings wohl nicht beachtet worden sind.
00:24:18: Die Monteure, die das Bett vor rund zehn Jahren aufgebaut haben, die haben sich wohl einfach nicht vorstellen können dass einjährige bis dreijährige Kinder so viel Kraft haben.
00:24:29: Dass sie wirklich in der Lage sind die Platte überhaupt anzuheben.
00:24:33: Und dazu kommt noch, dass die Betten nach dem Aufbau wahrscheinlich nie kontrolliert worden sind und wenn dann auf jeden Fall nicht richtig.
00:24:40: Wobei man sagen muss, die Betten wurden von der Stadt Gelsenkirchen damals ja nicht nur für die U-III-Betreuung in Schalke angeschafft.
00:24:47: Sondern sie wurden auch für viele andere Tageseinrichtungen gekauft, weil man damals einen einigermaßen einheitlichen Standard haben wollte.
00:24:55: Bei der Möbelfirma, die die Bette damals geliefert und aufgebaut hat, hat er Tod von Riat natürlich Ein richtigen Schock ausgelöst, kann man sich ja auch vorstellen.
00:25:04: Eine Mitarbeiterin die vor Gericht als Zeugen vernommen worden ist, die hat gesagt dass danach sofort alle Betten nachgebessert worden sind.
00:25:13: ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten über hundert Einrichtungen angefahren um die Bodenplatten nachträglich zu verschrauben oder mit Winkeln zu fixieren damit sich so ein Fall auf keinen fall wiederholen können.
00:25:26: Aber die lose Bodenplatte in dem Bett, die ist ja nur ein Teil der Geschichte.
00:25:30: Es ging bei den Ermittlungen dann auch um das Verhalten von den beiden Tagesmüttern also um das verhalten von Derian Gabriela und dabei vor allem um die Frage ob es richtig war dass Siria zum Mittagsschlaf, man muss es glaube ich so sagen zwingen wollten und ihn dafür in einen Gitterbett gesperrt haben oder ob es nicht zwingend notwendig gewesen wäre eine Art Schlafwache zu halten?
00:25:52: Die Staatsanwaltschaft hat sich da noch irgendwann festgelegt Deria und Gabriella angeklagt, und zwar wegen fahrlässiger Tötung.
00:26:00: Das heißt aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätten die beiden Tagesmütter Riads Tod verhindern können wenn sie sich anders verhalten hätten.
00:26:09: Ihnen ist also keine Absicht vorgeworfen worden sondern ihnen ist vorgewovet worden dass Riad gestorben ist weil Sie eben nicht das getan haben was in dieser Situation notwendig gewesen wäre.
00:26:22: Wir haben ja jetzt schon ein paar Mal darüber gesprochen, was später vor Gericht gesagt worden ist.
00:26:27: Aber wenn man es ganz genau nimmt, dann gab es insgesamt fünf Prozesse – und zwar zwischen dem Jahr zwölf und zwanzig.
00:26:36: Zwei davon waren allerdings nur sehr kurz, die sind auch ohne Ergebnis geblieben und einer war eine Entscheidung komplett ohne Öffentlichkeit!
00:26:45: Dann lasst uns das mal auftröseln.
00:26:47: Der erste Prozess, der fand im April und am Amtsgericht Gelsenkirchen statt.
00:26:53: Der ist dann aber auch sofort wieder geplatzt weil es gleich eine ganze Reihe von Problemen gegeben hat.
00:26:59: Ja, erst gab es keinen Dolmetscher.
00:27:01: Dann hat ein inzwischen pensionierter Rechtsmediziner mitgeteilt dass er auf keinen Fall persönlich zum Prozess kommen wird um halt Rückfragen zu seinem Gutachten zu beantworten.
00:27:11: und als dann über Fortsetzungstage nachgedacht wurde da hat dann eine Schöffel gesagt ne also da kann ich nicht da bin ich im Urlaub ja und da konnte man dann wirklich einfach nicht mehr weitermachen.
00:27:22: Sechs Monate später im Oktober twenty-threeundzwanzig ist der Netz weiter Anlauf gestartet dieses Mal ohne Probleme.
00:27:29: Die Staatsanwaltschaft hat dann auch jeweils zehn Monate Haft auf Bewährung für Deria und Gabriela gefordert, weil sie ihre Aufsichtspflicht grob fahrlässig verletzt haben – und dadurch laut der Staatsanwalt eine Mitschuld an Riads Tod
00:27:44: tragen.".
00:27:56: dass das menschlich eine Tragödie ist.
00:27:59: Das steht außer Frage, aber es gibt aus seiner Sicht einfach keine Vorschrift, dass ein Erwachsener in der U-Drei-Betreuung während des Mittagsschlags die ganze Zeit im Raum der Kinder bleiben muss und dass das Bett zur tödlichen Gefahr werden kann.
00:28:15: Davon hätten Deria und Gabriela nicht ausgehen
00:28:19: können.".
00:28:19: Okay dann wurden Sie also freigesprochen?
00:28:22: Wie haben das die Eltern von Riad aufgefasst?
00:28:25: Ja, für die war das natürlich ein absoluter Schock.
00:28:28: Weil es aus ihrer Sicht einfach nicht sein konnte dass keiner Schuld am Tod ihres Sohnes haben sollte.
00:28:34: vor allem für Riads Mutter war das einfach zu viel in diesem Moment.
00:28:39: sie ist nach dem Urteil aufgesprungen hat rumgeschrien und wollte sogar auf Deria und Gabriella losgehen.
00:28:46: Sie ist dann ja aber in letzter Sekunde zurückgehalten worden und danach war dann auch wieder alles ruhig.
00:28:52: Aber das letzte Wort war natürlich noch nicht gesprochen.
00:28:55: Die Anwälte von Riads Eltern haben sofort Berufung eingelegt und damit war klar, dass es auf jeden Fall noch einen weiteren Prozess geben wird – dann allerdings in Essen, weil das Essener Landgericht für die Überprüfung allererst instanzlichen Urteile des Amtsgerichtsgels im Kirchen zuständig ist.
00:29:11: Was unser drittes Verfahren ist!
00:29:13: Ja, es hat dann allerdings sechs Monate gedauert bis die Berufungsverhandlung begonnen hat.
00:29:18: Das war dann im April zwölfundzwanzig.
00:29:21: Der Prozess war aber auch ganz schnell wieder vorbei!
00:29:26: Ja das hatte den Grund dass die Richterin, die damals den Vorsitz geführt hat gar keine Zeugen geladen hatte weil sie Riads Eltern eigentlich dazu bringen wollte, dass sie ihre Berufung zurücknehmen und die Freisprüche akzeptieren.
00:29:39: als das dann aber nicht geklappt Da hat sie den Prozess wieder platzen lassen.
00:29:45: Etwas anderes ist hier auch gar nicht übrig geblieben, weil sie das zeitlich nämlich gar nicht mehr hingekriegt hätte noch mal alle Zeugen zu hören.
00:29:51: Sie ist nämlich kurz danach in den Ruhestand
00:29:54: gegangen.".
00:29:54: Aber also das kann ich irgendwie gar nicht fassen, dass sie quasi es so drauf anlegt, dass das Verfahren eh nicht stattfindet?
00:30:00: Weil dann kann man sich dieses ganze Berufungsverfahren ja auch sowieso klemmen!
00:30:04: Also für mich fühlt sich das total unfair an und ehrlich gesagt den Eltern von Riad gegenüber Also schon unsensibel, das würde ich schon mal sagen.
00:30:14: Ja kann man so sehen... Das hört sich auch wirklich vielleicht ein bisschen barisch an wenn man das so hört entweder sie nehmen die Berufung zurück oder ich lasse den Prozess platzen.
00:30:26: Man muss dazu allerdings sagen dass so Berufungsverfahren nicht immer so ablaufen wie Erstinstanzige Prozesse am Amtsgericht oder am Landgericht.
00:30:35: Das ist jetzt nicht immer so, dass der ganze Prozess noch mal wirklich von Anfang an neu aufgerollt wird.
00:30:41: Es ist schon oft so, das die Richter gleich am Anfang fragen was es eigentlich das Ziel der Berufung und manchmal geben sie dann auch eine eigene Einschätzung ab, sodass Sie zum Beispiel sagen nach Aktenlage ohne Beratungen mit den Schöffen, die ja auch immer dabei sind Ja, können wir eigentlich nur sagen an dem erst instanzlichen Urteil ist nichts auszusetzen.
00:31:08: Also was ist ihr Ziel?
00:31:11: Was wollen sie hier überhaupt erreichen?
00:31:13: das ist natürlich auch dann so ein bisschen herausfordernd.
00:31:18: also die machen schon manchmal deutlich wohin die reise gehen kann und wie Sie den fall sehen bevor überhaupt über die sache verhandelt worden ist.
00:31:29: allerdings muss man in diesem fall sagen Es war jetzt nicht so kalt und von oben herab, weil die Richterin schon ziemlich warme Worte gewählt hat als sie sich damals an Riads Eltern gewandt hat.
00:31:41: Sie hat gesagt ich kann mir wirklich nichts Schlimmeres vorstellen als ein Kind auf so grausame Weise zu verlieren.
00:31:49: Ich möchte Ihnen mein tiefstes Mitgefühl aussprechen wohlwissend dass das die Wunden nicht heilen kann.
00:31:56: Das waren damals ihre Worte.
00:31:57: Und sie hat auch noch gesagt Ja, dass es halt einfach rechtlich wenig Spielraum gibt.
00:32:03: Riads Tod den beiden Tagesmüttern anzulasten auch ein Babyfohn hätte aus ihrer Sicht nichts geändert weil es nur übertragen hätte das Riad gekwängelt hat und dann irgendwann halt nicht mehr was dann von den Tagesmüttern aus ihrer sicht wahrscheinlich so interpretiert worden wäre dass er nun doch eingeschlafen ist.
00:32:22: wörtlich hat sie Riads Eltern dann noch gesagt Vielleicht müssen sie sich einfach damit abfinden, dass nicht jedes schreckliche Ereignis eine Bestrafung nach sich zieht.
00:32:34: Aber Reads Eltern haben das dann abgelehnt.
00:32:37: Sie wollten unbedingt, dass der Prozess nochmal neu aufgerollt wird.
00:32:41: Das Verfahren ist dann geplatzt und der Berufungsprozess am Essener Landgericht musste dann wirklich noch mal ganz neu angesetzt werden.
00:32:48: Dann allerdings mit einer anderen vorsitzenden Richterin die sich natürlich auch erstmal wieder in den Fall einarbeiten.
00:32:55: musste.
00:32:55: Und wir sind jetzt bei unserem vierten Verfahren im Januar.
00:32:58: zwei tausendfünfundzwanzig war es soweit, ja und da ist wirklich noch mal alles von vorne aufgerollt worden.
00:33:05: Aber das muss ja auch einfach unfassbar schlimm sein.
00:33:07: über so viele Jahre hinweg immer und immer wieder neu zu erzählen oder auch neu zu hören was damals passiert ist Erleben ja auch bestimmt gewisse Personen dann immer wieder alles neu.
00:33:20: Und damit meine ich jetzt gar nicht mal nur Riads Eltern, sondern natürlich auch Deria und Gabriela Vor allem weil die beiden ja auch nicht wissen was mit ihrer Zukunft passiert.
00:33:29: vielleicht haben sie doch noch eine Haftstrafe vor sich.
00:33:31: also es ist wirklich etwas unglücklich gelaufen in diesem Fall.
00:33:37: Ja man muss auch sagen das war wieder dieser vierte Prozess war wieder ein ganz emotionaler Prozess vor allem als Riads Mutter als Zeugen vernommen worden.
00:33:47: Ja wirklich alles schon sehr, sehr traurig.
00:33:50: Ich habe damals wirklich nur ein paar Meter entfernt von ihr gesessen.
00:33:53: Das war nämlich kein großer Sitzungssaal und wenn man dann so mitbekommt wie sie unter Tränen von dem Moment erzählt als sie Riad abholen wollte aber auch wenn man hört was die Angeklagten gesagt haben Gabriela hat sich kurz vor dem Urteil bei ihrem sogenannten letzten Wort noch einmal direkt an Riads Eltern gewandt und hat gesagt, was sie gerade durchmachen.
00:34:17: Glauben Sie mir!
00:34:18: Ich bedauere das wirklich sehr.
00:34:20: ich habe auch ein Kind verloren.
00:34:22: Ich musste auch mein eigenes Kind beerdigen.
00:34:25: Ich weiß wie sie sich fühlen.
00:34:27: Ich weiss dass sie das nie vergessen können.
00:34:29: der liebe Gott ist mit ihnen.
00:34:32: Und Deria die hat gesagt ich bin auch Mama Mein drittes Kind ist unterwegs, so herzlos wie ich dargestellt werde.
00:34:41: Bin nicht.
00:34:42: Also das waren wirklich ganz emotionale
00:34:44: Worte.".
00:34:45: Dann lasst uns mal über das Urteil sprechen – das war nämlich genau das Gegenteil von dem was die Richter in erster Instanz am Amtsgericht Gelsenkirchen entschieden haben!
00:34:54: In der Berufungsinstanz.
00:34:55: jetzt sind Deria und Gabriela am siebten Februar Nun doch wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden, und zwar jeweils zu sechs Monaten Haft auf Bewährung.
00:35:07: Als Gabriela das Urteil damals gehört hat sind ihr sofort die Tränen übers Gesicht gelaufen.
00:35:12: Deria war überraschenderweise gar nicht da.
00:35:15: sie hatte sich kurz vorher also kurz vor dem Tag an dem die Urteilsverkündung sein sollte über ihren Verteidiger krank gemeldet.
00:35:24: Lasst uns da mal kurz stoppen, bevor wir mit unserem Fall weitermachen.
00:35:27: Weil das ja schon ziemlich besonders ist und sowas hatten wir hier bei UNO-Bewährung auch noch nicht!
00:35:32: Die Frage ist ja – kann man in Deutschland eigentlich verurteilt werden?
00:35:35: Wenn man gar nicht im Gerichtssaal
00:35:37: sitzt?!
00:35:38: Grundsätzlich geht es nämlich erstmal NICHT!
00:35:41: In § twohundertdreißig der Strafprozessordnung steht dass gegen eine Angeklagte oder gegen einen Angeclagten die nicht erscheint keine Hauptverhandlung stattfindet.
00:35:52: Aber wie so oft gibt es davon Ausnahmen?
00:35:56: Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Prozess auch ohne die Angeklagte oder den Angeklacken zumindest zu Ende geführt werden.
00:36:03: Und das war in diesem Prozess tatsächlich der Fall, weil nämlich wirklich eigentlich alles schon gelaufen war!
00:36:09: Die Plädoyers waren gehalten und Deria hatte auch schon ihr sogenanntes Letztes Wort.
00:36:14: Es ging an diesem Tag also wirklich nur um Verkündung des Urteils Und dafür muss der Deria tatsächlich nicht mehr persönlich im Gerichtssaal sitzen.
00:36:24: Wobei es schon ein bisschen komisch ist, dass sie dafür nicht gekommen ist?
00:36:27: Weil's wird Sie ja interessiert haben was jetzt dieses Urteil besagt.
00:36:31: und da stellt sich mir natürlich die Frage hat sie vielleicht damit gerechnet das sie diesmal doch verurteilt wird und dass sie sich das dann in dem Moment nicht antun wollte?
00:36:42: Ja kann natürlich sein aber erstmal gilt natürlich krank is krank.
00:36:45: also wenn jemand sich krank meldet, dann kann man das natürlich auch schlecht hinterfragen.
00:36:54: Aber ja sie musste damit rechnen.
00:36:57: die Staatsanwaltschaft hatte wieder zehn Monate Haft auf Bewährung gefordert.
00:37:02: Wieder wegen feierlässiger Tötungen also genauso wie auch schon im erstinstanzlichen Prozess in Gelsenkirchen.
00:37:08: und die Anwälte von Riads Eltern haben sogar von Freiheitsberauung mit Todesfolge gesprochen weil sie gesagt haben Das ist einfach Freiheitsberaubung, wenn man ein Kind in einen Käfig sperrt und die Betten mit diesen Gittern, die waren aus ihrer Sicht Käfige.
00:37:26: Und ja, wenn das Kind dann auch noch in dem Bett stirbt, dann ist es halt eben rechtlich Freiheits- beraubungsmethodesfolge.
00:37:33: Dann wären wir schon bei einer Mindeststrafe von drei Jahren.
00:37:37: Die Richter haben vorher wirklich nicht durchblicken lassen, in welche Richtung sie tendieren also wie das Urteil ausfallen könnte.
00:37:46: Eine Freiheitsberaubung mit Todesfolge haben die Richtamende ja definitiv nicht gesehen, aber eben eine fahrlässige Tötung.
00:37:54: Wie haben sie das dann begründet?
00:37:57: Ja Sie haben gesagt bei diesem Kind bei Ria da hätten die Angeklagten eine vollständig Schlafwache halten müssen.
00:38:04: Dazu gibt es zwar keine grundsätzliche Verpflichtung, aber bei Riad war er so agil.
00:38:10: Er wollte auf keinen Fall schlafen.
00:38:13: Er ist vor schon einmal aus seinem Bett geklettert – obwohl das eigentlich unmöglich war!
00:38:17: Er ist aus der Kita ausgebüxt und bis zum Spielplatz gelaufen.
00:38:21: Und spätestens das hätte für Deria und Gabriella eine absolute Warnung gewesen sein müssen.
00:38:28: Sie hätten Riad von da an rund um die Uhr beaufsichtigen müssen.
00:38:33: direkt an die beiden Tagesmütter gewandt hat.
00:38:36: Die Richterin bei der Urteilsbegründung auch noch gesagt, während sie im Raum gewesen hätten Sie das Kind auch rechtzeitig befreien können.
00:38:45: und zu dem anfänglichen Quengeln darüber haben wir ja auch schon gesprochen dass dann plötzlich aufgehört hat da hieß es beim urteil Wenn ein Kind plötzlich ruhig ist, dann ist das ein Wahnsignal.
00:38:57: Da guckt man nach.
00:38:58: Genau das hätten Deria und Gabriella aber eben nicht gemacht und deshalb müssen sie auch verurteilt
00:39:04: werden.".
00:39:05: Und was haben die Richter zu dem Bett gesagt?
00:39:07: Also wenn das richtig montiert gewesen wäre, wäre ja wirklich nichts passiert!
00:39:12: Ja, das stimmt natürlich, aber das hat bei der Verurteilung am Ende tatsächlich keine große Rolle gespielt.
00:39:19: Deria und Gabriella sind verurteilt worden, weil sie Riat aus Sicht der Berufungsrichter einfach nicht ausreichend beaufsichtigt haben.
00:39:28: Die Richter die haben gesagt bei diesem Jungen da hätten die beiden Tagesmütter einfach damit rechnen müssen dass er irgendetwas macht um sich zum zweiten mal aus dem Bett zu befreien und dabei wenn er das dann versucht da kann halt alles mögliche passieren.
00:39:44: direkt zum Bett haben Sie da nichts gesagt.
00:39:48: Aber das müssen wir jetzt auch sagen, das war ja immer noch nicht das letzte Wort.
00:39:52: Weil gegen dieses Berufungsurteil Urteil Nummer vier ist auch sofort wieder ein Rechtsmittel eingelegt worden und dieses Mal von den Verteidigern von Deria und Gabriella weil die natürlich weiterhin einen Freispruch haben wollten so dass ich am Ende auch noch das Oberlandesgericht in Hamm mit dem Fall befassen musste.
00:40:10: da haben sich die Richter dann aber nochmal richtig Zeit gelassen Bis das Oberlandesgericht seine Entscheidung vorgelegt hat.
00:40:17: in diesem fünften Prozess, da hat es tatsächlich aber noch mal fast anderthalb Jahre gedauert.
00:40:23: Obwohl die Richter den Fall gar nicht mehr öffentlich verhandelt haben, sie haben das Urteil aus Essen nämlich einfach geprüft und dann direkt entschieden – allerdings wieder komplett andersrum!
00:40:35: Ja, die Richter am Oberlandesgericht Hamm haben Derya und Gabriella am siebten Juli-Zweißenzeixundzwanzig endgültig vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.
00:40:46: Und das war dann auch wirklich die allerletzte Instanz.
00:40:48: Das heißt noch mal kann der Fall dann wirklich nicht mehr verhandelt
00:40:53: werden.".
00:40:53: Und das heißt konkret?
00:40:55: Die Richter in Hamm, die haben gesagt nein, Deryya und Gabrieller mussten Riad eben nicht die ganze Zeit im Blick halten oder wie war das?
00:41:03: Genau.
00:41:04: Sie haben gesagt, die Angeklagten waren nicht verpflichtet den Jungen während des Mittagsschlaps einer ständigen Sichtkontrolle zu unterziehen.
00:41:11: so waren die Worte.
00:41:13: Natürlich hätten sie damit rechnen müssen dass Riad erneut versuchen würde sein Bett zu verlassen.
00:41:19: Sie haben also Deria und Gabriella haben jedoch alles getan damit genau das Nicht passiert.
00:41:26: Damit meinen sie natürlich das Verschließen des Bettes mit dem Gitter.
00:41:31: Und sie haben auch gesagt, stichprobenartige Kontrollen.
00:41:35: Die hätten den Tod mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verhindert weil nämlich alles so schnell gegangen ist und Sie dann genau in dem Moment hätten reinkommen müssen als Riad seinen Kopf durch die Platte des oberen Bettes gesteckt hat.
00:41:53: Die Richter in Hamm, die haben ganz klar gesagt Schuld am Tod von Riad war eindeutig die Bodenplatte, die hätte auf jeden Fall angeschraubt werden müssen.
00:42:04: Aber dafür können die beiden Tagesmütter wirklich nichts.
00:42:08: Wir haben ja vorhin schon mal kurz erwähnt dass auch eine Vertreterin dieser Firma, die diese Betten hergestellt hat für Gericht zumindest ausgesagt Gab es gegen die denn auch mal Ermittlungen, weil man hätte ja durchaus sagen können vielleicht war das der Fehler der Firma und wenn jetzt hier das letzte Gericht quasi sagt.
00:42:26: Hier ist lag an der Bodenplatte dann wäre ja den erste Schritt zu sagen gut wer hat das da aufgebaut?
00:42:31: Und warum wurde es nie kontrolliert?
00:42:33: also es gab wohl Ermittlung gegen die Firma aber Da weiß ich nicht, wie der aktuelle Stand ist.
00:42:39: Wahrscheinlich wurde da auch erst mal abgewartet.
00:42:42: Wie jetzt das strafrechtliche Verfahren gegen Deria und Gabriella ausgeht?
00:42:49: Und was die Richter dann wirklich in letzter Instanz sagen.
00:42:53: Ja und dass das nicht einfach war, das haben wir ja gesehen weil am Ende haben wir über so viele Prozesse geredet und über ganz ganz viele unterschiedliche Einschätzungen.
00:43:03: also daran sieht man schon.
00:43:04: Auch für die Juristinnen und Juristen war es wirklich schwierig dieser Fall.
00:43:09: Auch die Staatsanwaltschaft ist ja bis zuletzt dabei geblieben, dass Deria und Gabriela auf jeden Fall wegen fallässiger Tötung verurteilt werden müssen.
00:43:17: Was bei diesem Fall auf jedem Fall hängen bleibt ist... Es ist etwas ganz Schreckliches passiert.
00:43:23: ein kleiner Junge ist gestorben aber das heißt eben nicht automatisch, dass dafür jemand strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.
00:43:32: Ja, obwohl man natürlich schon der Meinung sein kann das Deria und Gabriella vielleicht nicht genug gemacht haben.
00:43:40: Das ist ja auch immer die Frage wie man sich selbst verhalten würde.
00:43:44: Würde man wirklich kein einziges Mal ins Zimmer gucken wenn das eigene Kind gerade erst weggelaufen ist oder wäre man dann doch halt so ein bisschen mehr aufmerksam und würde vielleicht alle paar Minuten mal die Tür öffnen und mal gucken, ob das Kind schläft oder was es jetzt gerade macht.
00:44:04: Ich glaube ich würde das auf jeden Fall so
00:44:07: machen.".
00:44:08: Vor allem variiert ja auch noch sehr neu das weil jetzt ein erster Tag wo er so richtig alleine da war.
00:44:13: der hätte man dann vielleicht auch einfach sagen können okay der Riat ist halt ein bisschen anders der macht bei uns heute keinen Mittagsschlaf.
00:44:19: Ja und ich glaube auch so ein bisschen der Elefant im Raum ist ja auch wie pädagogisch sinnvoll.
00:44:24: das is Kinder also kleine Kinder in diese Gitterbetten einzusperren und damit ja quasi zum Schlafen zu zwingen.
00:44:33: Also ich weiß nicht, ob das irgendwie gang-und gäbe ist aber für mich fühlt sich das nicht so gut an.
00:44:39: Ja so komplett geschlossene Betten sind glaube ich schon die Ausnahme.
00:44:44: Das war natürlich auch eine Frage, die im Prozess immer so ein bisschen eine Rolle gespielt hat.
00:44:50: Die Richter haben sich dieser Frage übrigens auch gestellt ob das pädagogisch sinnvoll ist.
00:44:56: Sie haben aber dann immer sofort gesagt, dass haben wir nicht zu kommentieren bei uns.
00:45:02: Bei unserer Entscheidung geht es wirklich nur um die strafrechtliche Verantwortung und nicht um moralische Fragen oder pädagogische Fragen.
00:45:11: Ich finde, bei dem Fall ist es so was wir auch schon gesagt haben, Nicht jedes Mal, wenn was Schlimmes passiert ist automatisch die man schuld dran.
00:45:19: Man kann natürlich darüber diskutieren.
00:45:21: waren Deria und Gabriela zumindest an dem Tag schlechte Tagesmütter?
00:45:25: das würde ich unterschreiben.
00:45:26: denen ist ein Kind weg gelaufen auf eine Straße mit Autos.
00:45:30: sie haben sich offensichtlich vorher nicht genug mit den Eltern sprachbar ihre hin oder her Darüber ausgetauscht, was dieses Kind braucht.
00:45:37: Dieses Kind braucht eben keinen Mittagsschlaf mehr.
00:45:40: und gerade wenn ein Kind neu ist und man noch nicht so weiß, schläft das durch?
00:45:44: Hat das vielleicht auch mal Albträume oder so?
00:45:46: Dann guckt man halt eigentlich öfter Mal nach und der war jetzt nicht zum zwanzigsten Mal da und man weiß schon, ach der Ria, der schleft durch!
00:45:54: Sondern das war ein neues Kind und ich glaube da waren sie an dem Tag einfach schlechte Tagesmütter.
00:46:00: aber sind Sie deswegen jetzt automatisch schuld an seinem Tod?
00:46:04: würde ich eher mit den Richtern gehen und sagen, nein.
00:46:07: Ja also ich glaube da würde mich anschließen.
00:46:10: man kann ja auf jeden Fall festhalten dass diesen Tod wirklich niemand gewollt hat.
00:46:16: Also darum ging es auch von vorneherein nicht im Prozess.
00:46:19: Es ging ja eher um die Frage war das fahrlässig wie sie sich verhalten haben?
00:46:23: Dass der ist schon mal weggelaufen wird zurückgebracht.
00:46:26: Die sind dann da nicht da beziehungsweise am Handy gucken nicht mehr in den Raum so unter Motto nur wir machen jetzt Pause Schließen die Zimmertür ab und haben damit stündchen Ruhe.
00:46:36: Könnte man jetzt ein bisschen zynisch sagen, aber ich glaube was man nicht vergessen darf ist dass das zwei Frauen sind die ihre Arbeit gemacht haben und die wirklich nicht damit rechnen konnten Dass das passiert.
00:46:49: also dieses Bett das ist ja einfach wirklich.
00:46:51: Das konnte niemand wissen, auch die beiden nicht und deswegen ist das leider mal wieder so ein Fall.
00:46:56: Es gibt nur Verliererinnen und Verlierern.
00:46:58: es ist ganz, ganz schlimm weil für die Beiden war das ja auch eine absolute Tortur drei Jahre lang irgendwelche Prozesse freigesprochen doch schuldig doch freigesprachen und für die Eltern ganz zu schweigen wie traumatisch und retraumatisierend dass alles gewesen sein muss und immer noch ist.
00:47:14: also da kann man leider nichts anderes sagen als beschrecklich dieser gesamte Falles Vor allem auch weil die Eltern, wie schlimm das gewesen sein muss als sie dahin gekommen sind.
00:47:25: Weil denen wurde es ja nicht zuerst gesagt sondern sie hat erkannt dass ihr Kind da rausgetragen wird auf dieser Bare und Erkenntnis an der Kleidung Und so erfährt sie das.
00:47:33: dann haben Sie diese ewige im Krankenhaus hinterherfahren und erst wirklich nach vielen vielen Stunden können sie Ihr kind noch mal sehen.
00:47:42: Ich finde das fand ich irgendwie auch.
00:47:44: Das fühlt sich irgendwie nicht so richtig an.
00:47:47: Wir waren nicht drin und wir wissen auch nicht genau, wie es gelaufen ist.
00:47:49: aber so wie die Mutter das geschildert hat fühlt sich das einfach nach einer schlimmen Art an das zu erfahren, die glaube ich dieses ganze Trauma danach noch viel schlimmer macht weil dieser initiale Moment so unsensibel war.
00:48:01: Ich glaube dass sich die beiden Tagesmütter Deria und Gabriella auf jeden Fall hätten empathischer verhalten können.
00:48:09: Riat war zum ersten Mal da.
00:48:12: Man weiß das ja selbst.
00:48:13: Wenn ein kleines Kind zu Besuch ist von anderen Eltern, dann kümmert man sich zumindest am ersten Tag ganz besonders um dieses Kind damit auch wirklich alles gut geht.
00:48:26: Es gab in diesem Prozess mehrere Momente wo man nicht leicht zu ertragen waren.
00:48:35: wenn man noch mal denkt an die Polizistin was für eine Aufgabe.
00:48:42: Dann dazu der Mutter zu gehen, die ja noch gar nicht wusste – es hätte auch sein können, dass ihr Kind sich nur verletzt hat!
00:48:49: Zu der Mutter und sagen, das tut mir leid, ihr Kind ist tot.
00:48:54: Da kriege ich heute noch Gänsehaut wenn ich an solche Momente
00:48:57: denke.".
00:48:57: Und obwohl's ein so schlimmer und emotionaler Fall ist, der uns natürlich auch nicht leicht fällt zu erzählen?
00:49:04: ist es natürlich total wichtig, dass wir darüber sprechen.
00:49:06: Eben weil es so viele verschiedene Facetten, so viele Urteile gegeben hat und ich glaube das ist ein gutes Beispiel dafür wie schwierig es manchmal auch sein kann selbst für Profis also für Juristinnen und Juristen, für Richter und Richterin einen Urteil zu fällen in einem Fall wo's so ein bisschen darum geht was jetzt hier gerade juristisch richtig und wichtig?
00:49:29: Und was ist vielleicht eher das moralische Empfinden?
00:49:32: Danke Jörn, dass du uns diesen Fall mitgebracht hast.
00:49:34: Das war eine komplexe Folge.
00:49:37: Sehr gerne!
00:49:39: Wir hören uns dann alle beim nächsten Mal wieder.
00:49:40: Bis dahin.
00:49:41: Tschau.
00:49:41: Tschüss.